Unternehmen / Schweiz

Swisscom spielt bei Glasfaser gegen die Zeit

Swisscom geht im Glasfaserstreit auf die Weko zu. Die Konkurrenz steht mehrheitlich hinter der Marktführerin, das dürfte aber nicht reichen.

Das Bundesverwaltungsgericht kam im September zum Urteil, dass das Verhalten der Swisscom beim Glasfaserausbau als grob marktmissbräuchlich einzuschätzen ist. Statt der vierfasrigen Point-to-Point-(P2P-)Netzarchitektur hatte Swisscom die einfasrige Point-to-Multipoint-(P2MP-)Architektur verbaut, was zuvor von der Wettbewerbskommission (Weko) gerügt worden war. Das Urteil war ein ungewohnt heftiger Schlag für die Telecomanbieterin. Es stellte nicht nur hinter das Tempo beim Glasfasernetzausbau ein Fragezeichen – falls Swisscom zum Umbau auf P2P gezwungen ist, drohen im Extremfall auch hohe Mehrkosten für die Umrüstung.

Die grössten Probleme verursachen Swisscom derzeit die sogenannten vorsorglichen Massnahmen der Weko. Sie verhindern bis zum Abschluss des Hauptverfahrens, das von der Weko geführt wird, die Inbetriebnahme von Anschlüssen in neu erschlossenen Gebieten. Das Problem ist komplex: Ein Weiterbau mit P2MP kommt bis zum Abschluss des Verfahrens oder zu einem Entscheid vor dem Bundesgericht nicht in Frage, gleichzeitig ist ein jahrelanger Baustopp in niemandes Interesse.

Ein runder Tisch, an dem sich alle Schweizer Netzbetreiber auf einen gemeinsam gültigen Ausbaustandard einigen, ist derzeit nicht vorgesehen, wie das Bakom gegenüber FuW erklärt. Als naheliegendste Lösung gilt, dass Swisscom einen technischen Standard vorschlägt, mit dem sie zumindest Kompromissbereitschaft signalisiert und trotzdem in P2MP-Architektur weiterbauen kann. Genau das ist Mitte Dezember passiert.

 

Möglicher Kompromiss

Noch vor Weihnachten hat Swisscom der Weko als Kompromiss einen sogenannten virtuellen Layer-1-Zugang (V-ALO) vorgeschlagen, zu dem die Weko derzeit eine Marktbefragung einholt. Dabei teilen sich mehrere Dienstanbieter eine Faser. Die Technologie dürfte, falls sie zugelassen wird, in den neu mit Glasfaser zu erschliessenden Gebieten der Schweiz zum Einsatz kommen.

Den Zugang zum physischen Layer 1 und die Möglichkeit für technische Innovationen, wie zuvor von der Weko und dem Bundesverwaltungsgericht gefordert, liefert das Produkt dem Vernehmen nach aber nicht. Auch bei der technischen Flexibilität dürfte es hapern. «Virtuell und Layer 1 ist ein Widerspruch in sich», sagt Ralph Urech vom Provider Solnet aus Solothurn. «Das Problem ist nicht gelöst, und es ist auch kein Kompromiss», sagt Fredy Künzler vom Provider Init7 aus Winterthur, der die Beschwerde bei der Weko angeregt hat.

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