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Swisscom-Tochter Fastweb steigt ins Rennen um 5G-Frequenzen

In Italien wird ab September neues Mobilfunkspektrum vergeben. Sieben Anbieter nehmen an der Auktion teil, die 2,5 Mrd. € oder mehr in die Staatskasse spülen soll.

Nicht nur in der Schweiz werden neue Frequenzen für die 5G-Mobilfunktechnologie vergeben, und Swisscom (SCMN 458.1 -0.65%) ist am Start. Auch in Italien wird der Telecomkonzern mitbieten, und zwar über seine Tochter Fastweb. Denn nach Angaben des italienischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung (MISE) ringen nicht nur die Branchengrössen Telecom Italia (TIT 0.6088 -0.29%), Vodafone (VOD 174.92 -2.2%) und Wind Tre um neues Spektrum.

Fastweb, der Italien-Newcomer Iliad (ILD 124.1 -0.96%), die Breitbandgesellschaft Linkem und Open Fiber, ein Joint-Venture unter Beteiligung des Energiekonzerns Enel (ENEL 4.478 0%), nehmen gemäss Ankündigung vom Dienstag ebenfalls teil. Das Auktionsdesign solle neuen Anbietern einen Einstieg in den Markt ermöglichen, hatte der Regulator AGCOM im Vorfeld erklärt. Als Erlös werden 2,5 Mrd. € oder mehr angestrebt.

Für Swisscom bedeutet das zusätzliche Ausgaben. An der finanziellen Guidance für 2018 ändere sich aber nichts, erklärte ein Swisscom-Sprecher auf Anfrage von FuW. Auch wolle sich Fastweb nicht als fünfter Mobilfunkbetreiber in Italien positionieren. Vielmehr konzentriere sich Fastweb auf 5G-Spektrum in grossten Städten, wo etwa die Hälfte der Telefonie-Ausgaben anfielen. Das Investitionsniveau der Vorjahre soll in etwa beibehalten werden.

Iliad mischt den Markt auf

Die Mobilfunk-Offensive von Fastweb dürfte dennoch mit dem aggressiven Markteintritt der französischen Telecomgesellschaft Iliad in Italien Ende Mai zusammenhängen. Zuletzt hielten der ehemalige Staatsmonopolist Telecom Italia, Vodafone und Wind Tre jeweils gut ein Drittel Marktanteil in Italien. Iliad strebt Insidern zufolge gut ein Viertel an. Swisscom-Tochter Fastweb kam Ende März auf 1,2 Mio. Handykunden. Ihr Marktanteil liegt im unteren einstelligen Prozentbereich.

Fastweb nutzt bisher das Netz von Telecom Italia für eigene Mobilfunkangebote, im Rahmen einer Wholesale-Vereinbarung. Doch eine Differenzierung gegenüber der Konkurrenz ist auf dieser Ebene schwierig. Der Vertrag mit Telecom Italia wurde trotzdem bis Ende 2020 verlängert, und 4G-Telecomdienste sollen weiter auf dem Netzwerk von Telecom Italia laufen, wie Swisscom Ende Juli erklärte.

Fastweb akquiriert

Seinerzeit kündigte Fastweb aber auch an, die Fixed-Wireless-Sparte sowie Frequenzspektrum des Branchennachbarn Tiscali zu kaufen, um Zugang zum 5G-Spektrum zu erhalten. Das Geschäft umfasst die Infrastruktur mit rund 835 Funktürmen, die Ausrüstung und vierunddreissig Mitarbeitende. Fastweb setzt Barreserven dafür ein. Jeweils 50 Mio. € werden 2018 und 2019 fällig. Weil Fastweb auch Schulden von 10 Mio. € übernimmt und Tiscali mit Fastweb einen Grosshandelsvertrag über 40 Mio. € abschliesst, beträgt der Transaktionswert 150 Mio. €.

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