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Swissgrid wirbt für EU-Stromabkommen

Das Umfeld der Stromnetzbetreiberin bleibt schwierig. Der Netzumbau verzögert sich wegen Einsprachen und die Risiken im europäischen Kontext steigen.

(AWP/CC) Für die Schweizer Stromnetzgesellschaft Swissgrid wird es immer anspruchsvoller, das Übertragungsnetz sicher zu betreiben. Das liegt am fehlenden Stromabkommen mit Europa, aber auch an der Energiewende in Deutschland und der Schweiz. Künftig könnte die Netzgesellschaft Alpiq (Alpiq 81.8 4.2%), BKW (BKW 63.2 0.64%) & Co. stärker in das Geschäft hineinfunken, um die Netzstabilität zu gewährleisten.

Die EU treibt das sogenannte «Market Coupling», also die kombinierte Vergabe von Leitungskapazität und Elektrizität an den Grenzen, voran. Die Schweiz ist von dieser Entwicklung ausgeschlossen bzw. muss Ersatzlösungen  finden. Ungeplante Stromflüsse würden die Leitungen und Transformatoren immer stärker belasten, führte Rainer Mühlberger, Leiter Technologie und stellvertretender Swissgrid-Chef an der Bilanzmedienkonferenz am Dienstag aus.

Kurzfristig ergreife Swissgrid technische Massnahmen. So würden die Produktionspläne der grossen Versorger angepasst. Mit dem Atomausstieg in Deutschland und der Schweiz stiegen aber die Risiken weiter. Die Importabhängigkeit steige, die Schweiz habe jedoch nicht die gleichen Rechte wie ihre EU-Nachbarn.

Die Netzstabilität in der Schweiz könne aber mittel- und langfristig nur im europäischen Kontext gewährleistet werden. «Wir sind zu vernetzt mit Europa, um unsere Probleme alleine zu lösen», sagte Swissgrid-CEO Yves Zumwald mit Blick auf die Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Kosten gesenkt

In diesem Umfeld erwirtschaftete die Gesellschaft 2017 ein reguliertes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 125 Mio. Fr., und damit knapp 21% weniger als im Vorjahr. Die Abnahme erklärt Swissgrid mit der Reduktion der durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) auf 3,83% von 4,7% in 2016. Durch den Abbau der Deckungsdifferenzen sank das betriebsnotwendige Vermögen gegenüber dem Vorjahr, was zu einer weiteren Abnahme des EBIT beitrug.

Unter dem Strich resultiere ein um 29% auf 65,3 Mio. Fr. gesunkenes Unternehmensergebnis. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung vom 15. Mai 2018 eine Ausschüttungsquote von 45% vom Jahresgewinn. Das entspricht einer Dividendenauszahlung von 29,4 Mio. Fr.

Die Kosten konnte Swissgrid im Geschäftsjahr weiter senken. Der Beschaffungsaufwand nahm um deutliche 62% auf 294 Mio. Fr. ab. Die im Vorjahr wesentlich höheren Werte beruhen gemäss Mitteilung auf der Umsetzung der ElCom-Verfügung betreffend Festsetzung des massgeblichen Werts des Übertragungsnetzes und der daraus folgenden vorläufigen Entschädigung von 417 Mio. Fr.

Weitere Effizienzsteigerung erwartet

Im Hinblick auf die Modernisierung des Übertragungsnetzes rechnet die Gesellschaft mit einem Investitionsvolumen auf dem Niveau von 2017. Das Unternehmensergebnis werde aufgrund des für 2018 unveränderten WACC von 3,83% stabil bleiben. Auch für das Jahr 2018 erwartet Swissgrid eine «weitere Steigerung der Effizienz».

In der Mitteilung beklagt das Unternehmen, dass der Um- und Ausbau des Übertragungsnetzes weiterhin nicht rasch genug vorankommt. So befinden sich die wichtigen Leitungsprojekte Bickigen – Chippis und Bassecourt – Mühleberg aufgrund der zahlreichen Einsprachen noch immer im Plangenehmigungsverfahren.

Im weiteren gab die Gesellschaft bekannt, dass sämtliche bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrats, mit Ausnahme des zurücktretenden Andreas Rickenbacher, sich an der Generalversammlung der Wiederwahl stellen. Die Kantone haben Claude Nicati als Vertreter im Verwaltungsrat abgeordnet. Der nach dem Rücktritt von Andreas Rickenbacher frei werdende zweite Sitz der Kantone im Verwaltungsrat wird gemäss Entscheid der Konferenz der Kantonalen Energiedirektoren (EnDK) aktuell nicht besetzt.

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