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Swissquote-CEO: «Die meisten Probleme rund um Kryptowährungen sind gelöst»

Für Marc Bürki sind die Banken gefordert. Sonst werden sie von der Konkurrenz abgehängt.

Kunden wollen in Kryptowährungen investieren, davon ist Swissquote-CEO Marc Bürki überzeugt. Seit 2017, als der Onlinebroker seinen Kunden zum ersten Mal die Möglichkeit angeboten hat, Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether & Co. zu handeln, hat sich jedoch einiges verändert.

Heute investieren rund 100‘000 Swissquote-Kunden in Kryptowährungen. Der überwiegende Teil davon sind laut Bürki jedoch keine Daytrader. Sie halten auch andere Wertschriften bei Swissquote (SQN 120.60 +5.05%) und diversifizieren einen Teil ihres Portfolios in Krypto. Gemeinsam mit PostFinance betreibt der Onlinebroker zudem noch das Gemeinschaftsunternehmen Yuh. Kunden dieser Neobank können ebenfalls Kryptowährungen kaufen und handeln. Im vergangenen Jahr gestartet zählt Yuh aktuell rund 46‘000 Kunden.

Neue Technologien nicht verschlafen

Neue Geschäftsmodelle haben es in der Finanzbranche jedoch immer noch schwer, sich durchzusetzen. Diese bewegt sich nur langsam. Im Gegensatz zu Branchen wie Automobil oder Luftfahrt sind laut dem Swissquote-CEO bei den Grossbanken unter den grössten der Welt dieselben wie vor 20 Jahren. Der Grund: «Traditionelle Banken verdienen immer noch zu viel Geld, ihre Margen sind noch zu hoch», sagte Bürki an der von der «Finanz und Wirtschaft» organisierten Konferenz Vision Bank.

Es sei wichtig, dass der Sektor die neuen Technologien – vor allem Krypto – nicht verschlafe. «Damit das Ökosystem funktioniert, müssen alle Banken mitmachen. Mehr Wettbewerb ist positiv», sagt Bürki. Die Konkurrenz in dem Bereich komme nicht aus dem Inland, sondern aus dem Ausland.

Innovationsfreundliches Umfeld in der Schweiz

Insbesondere im Vergleich zu den USA tut sich Europa laut Bürki schwer. Der grösste Handelsplatz für Kryptowährungen liegt mit Coinbase in den USA. Nach dem Entscheid Chinas, das Schürfen von Kryptowährungen im vergangenen Jahr zu verbieten, sei auch das nach Amerika abgewandert, namentlich in den Bundesstaat Texas, da dort billige Energie zu haben ist.

Die Schweiz hat sich in diesem Bereich aber sehr fortschrittlich positioniert, seit dem vergangenen Jahr ist das Blockchain-Gesetz für die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in Kraft. Bürki: «Eine der besten Regulierungen». Das sei wichtig, weil dieses etwa festlegt, dass Kryptowährungen als digitale Assets nicht auf die Bilanz einer Bank genommen werden müssen, was Eigenmittel schont.

Eine entsprechende Regulierung innerhalb der EU ist erst in Arbeit. Für Swissquote wäre dies eine positive Entwicklung. Der Onlinebroker betreibt auch eine Bank in Luxemburg. Werden Kryptowährungen EU-weit reguliert, könnte Swissquote ihre Produkte in der ganzen Region vertreiben.

Neue Dienstleistungen entwickeln

Ein wichtiger Trend im Kryptobereich ist für Bürki Staking, wo Swissquote entsprechende Dienstleistungen plant. Das ist für Kryptowährungen wie Ether oder Polkadot relevant, welche nach dem Proof-of-Stake-Konzept geschürft werden. Da darf am effizientesten schürfen, wer die meisten von den Token besitzt. Anschliessend wird der «Lohn» in der entsprechenden Kryptowährung ausbezahlt. Staking bedeutet nun, dass man seine Token dem Schürfer für eine gewisse Zeit zur Verfügung stellt und dafür einen Zins erhält.

Für die Zukunft gibt sich Bürki zuversichtlich, die meisten Probleme in Bezug auf Kryptowährungen wie etwa Fragen rund um Geldwäscherei seien gelöst. Dazu kommt der rechtliche Rahmen, der in der Schweiz mit dem DLT-Gesetz existiert. «Es gibt keinen Grund, weswegen die Banken ihren Kunden diese mittlerweile klassischen Produkte anbieten.»