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Swissquote holt neuen Schwung

Die Kunden des Onlinebrokers werden nur zögernd aktiv. Das Ergebnis 2012 hat enttäuscht. Dafür gab es einen Achtungserfolg im Derivathandel.

Jan Baumann

Gute Zahlen sehen anders aus. Das Jahr 2012 hat der Onlinebroker Swissquote (SQN 86.00 +0.35%) mit 28% weniger Gewinn abgeschlossen. Je ­Aktie nahm der Überschuss von 2.18 auf 1.57 Fr. ab, womit die Analystenerwartungen verpasst wurden. Die Dividende wird von 1.04 auf 0.60 Fr. pro Titel gekürzt.

Markant sanken vor allem die Kommissionseinnahmen aus dem Wertschriftenhandel. Auch im vierten Quartal hielten sich die Anleger mit Transaktionen zurück, was Chief Executive Marc Bürki am Dienstag als Ausdruck «tiefer Skepsis» gegenüber den Finanzmärkten deutete.

Im Ausblick für 2013 war er entsprechend vorsichtig. Während der ersten zwei Monate habe Swissquote spürbar mehr Kundenaktivität verzeichnet, sagte Bürki vor Medien und Analysten. Dank erweiterter Kundenbasis – 2012 nahm die Zahl der Trading-Konti 1% auf 159 942 zu – solle der Ertrag wieder zulegen. Ein neues Gewinnziel formulierte er nicht.

Hohe Liquidität führt zu Leerlauf

Klar ist, dass Swissquote dieses Jahr 5 bis 10% zusätzliche Kunden gewinnen will, nachdem 2012 die Kundenbeziehungen einschliesslich der Spar-, Devisen- und Anlagekonti um 7,5% auf 201 582 kletterten. Das eigentliche «Problem» ist die Risikoabneigung vieler Anleger. Sie führt dazu, dass sich in den Depots ein Berg von mittlerweile über 1,7 Mrd. Fr. Cash türmt (23% der Trading-Depotvermögen), den Swissquote grösstenteils bei der Schweizerischen Nationalbank bunkert. Die hohe Liquiditätshaltung der Kunden ist für den Broker ein Leerlauf. In den letzten vier Jahren nahm das Trading pro Kunde kontinuierlich ab: 2012 waren es im Schnitt ­lediglich 11,2 Abschlüsse pro Kunde, nach gut 16 Stück noch 2009.

Interessante Wachstumsperspektiven hat Swissquote in anderen Bereichen. Da ist zum einen der Devisenhandel. Die Forex-Dienstleistungen kann die Gruppe wieder uneingeschränkt in der EU vermarkten, nachdem sie im Oktober extra dafür einen Standort in Malta aufbaute. Neue Vorschriften hatten den Schritt nötig gemacht. Wenn es zu Akquisitionen komme, so würden sie ziemlich sicher im Forex-Segment stattfinden, deutete Bürki an der Jahresmedienkonferenz an. Für Zukäufe habe die Gruppe ungefähr 100 Mio. Fr. Bares zur Hand.

Zusammenarbeit mit BLKB funktioniert gut

Das zweite Wachstumsfeld ist die Zusammenarbeit mit der Basellandschaftlichen Kantonalbank im Hypothekarkredit. Swissquote fungiert dabei als Zulieferer von Neugeschäft für die BLKB; das Kreditrisiko liegt bei den Baslern. Binnen Jahresfrist sind so 160 Mio. Fr. Ausleihungen zustandegekommen. Das Ertragspotenzial für den Online-Broker beziffert Bürki auf eine halbe Million Franken 2013.

Einen glücklichen Start hatte drittens die ausserbörsliche Derivatplattform Swiss DOTS, die im letzten Mai zusammen mit den Emittenten Goldman Sachs (GS 235.40 -0.48%) und UBS (UBSG 13.16 +0.19%) lanciert wurde. Über die neue Plattform kamen allein im November über 8300 Transaktionen zustande. Im Bereich der Hebelprodukte entspricht das 17% ­aller Transaktion auf Scoach, der Derivatebörse der SIX Group.

Der Derivathandel läuft rund

Das Ziel, die Monopolstellung von Scoach im hiesigen Derivathandel zu durchbrechen, sei erreicht, sagte Swissquote-Chef Bürki zufrieden. Mit der BX Berne Exchange, die ebenfalls in den Struki-Markt einsteigen will, sei man im Gespräch.

Die Perspektiven für die Aktionäre sind günstig, aber nicht glänzend. Der Kurs hat die Belebung im Aktienhandel schon recht forsch mitvollzogen. Dieses Jahr dürfte Swissquote das Ergebnis je Aktie auf 2 Fr. steigern können, was aktuell ein KGV 2013 von 16 ergibt. Rasche Avancen sind auf diesem Niveau unwahrscheinlich.