Neulich, im Mai, leuchtete über Nagykanizsa dieser Regenbogen – «szivárvány» auf Ungarisch (das kein grammatikalisches Geschlecht kennt, daher erübrigen sich diverse Debatten). Hingegen ist im Magyarischen der Accent aigu häufig, man denke an Ministerpräsident Viktor – für manche «Viktator» – Orbán; allerdings ist dieses Zeichen selbst namhaften Blättern im westlicheren Europa die kleine Mühe nicht wert (obschon doch sonst korrektes Zeichensetzen schwer im Schwange ist). Man ist sich eben fremd, über drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Wobei es nicht nur Orbáns autoritäre Anwandlungen sind, die ihn, wie etwa auch Polens Regierung, in Brüssel, Berlin, Paris usf. zur Bête noire machen. Orbáns eiserner Eigensinn besonders in der Flüchtlings- und in der Gesellschaftspolitik bringt im Westen das Justemilieu aus der Fassung. Nagykanizsa liegt im Südwesten Ungarns, nahe der kroatischen Grenze; das Farbenspektrum strahlt hier just über der Ausfallstrasse in Richtung Plattensee. Am Balaton campierten im Sommer 1989 Tausende DDR-Bürger. Viele von ihnen zogen dann republikflüchtig gen Österreich; die ungarische Regierung hatte zuvor damit begonnen, den Grenzzaun abzureissen. Das vergisst sich so leicht.(Bild: EPA/Gyorgy Varga)