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T-Mobile US kauft Sprint für 26 Mrd. $

Im dritten Anlauf kommt es zur Einigung: Die Nummern drei und vier im US-Markt spannen zusammen. Der Übernahmepreis wird nur in Aktien bezahlt.

(Reuters) Paukenschlag der Deutschen Telekom: Für 26 Mrd. $ will die Tochter T-Mobile US (TMUS 77.75 0.62%) den kleineren Rivalen Sprint kaufen. Es entstehe das «schlagkräftigste Mobilfunk-Unternehmen in den USA», kündigte Telekom-Chef Timotheus Höttges am Sonntagabend an. Lange Zeit arbeitete der Bonner Dax-Konzern hinter den Kulissen an diesem Deal. Zwei Anläufe waren in der Vergangenheit gescheitert, der letzte erst im November an Unstimmigkeiten über die Machtverhältnisse. Diese haben sich nun komplett zugunsten der Deutschen Telekom entschieden, die 42% am Gesamtkonzern besitzt, ihn komplett konsolidiert und über eine Stimmrechtsvereinbarung mit dem Sprint-Eigner Softbank (Softbank 23.4 -0.21%) die Kontrolle in den Händen hält.

Der Zusammenschluss soll über einen Aktientausch erfolgen. Bargeld wird demnach nicht fliessen. Für die Telekom ist es – einschliesslich der Schulden, die übernommen werden, – mit rund 60 Mrd. $ die grösste jemals getätigte Transaktion. Sie übertrifft auch die Übernahme des US-Mobilfunkers VoiceStream Anfang des Jahrtausends. Damals bekamen die Deutschen erst einen Fuss ins wichtige Geschäft auf der anderen Seite des Atlantiks, das sich zuletzt immer stärker zum Umsatztreiber entwickelt hat.

Sollte der Sprint-Kauf wie geplant bis zur ersten Jahreshälfte 2019 über die Bühne gehen, wird es für die bisherigen Platzhirsche Verizon (VZ 56.65 0.62%) und AT&T (T 34.97 1.83%) ungemütlicher. Mit dann etwa 127 Mio. Kunden und einem Unternehmenswert von 150 Mrd. $ rückt die neue T-Mobile US – der Name Sprint soll offenbar vom Markt verschwinden – den beiden deutlich auf den Leib. Als neues Ziel gibt Höttges selbstbewusst aus: «Jetzt geht es darum, eine führende Position einzunehmen.»

T-Mobile US hat sich bereits einen Namen als Angreifer gemacht, der den Markt mit aggressiven Preisen, aber auch einem guten Service und umfangreichen Datenpaketen neu aufrollt. Ähnlich soll es offenbar weitergehen. Die Deutsche Telekom (DTE 14.882 1.6%) versprach zumindest schon mal «sinkende Preise» und neue Kombipakete aus Festnetz und Mobilfunk, wie sie die Bonner in fast allen Ländern anbieten, in denen sie aktiv sind.

Das gemeinsame Unternehmen ist zudem besser aufgestellt, um bei der Zukunftstechnologie 5G vorn mitzuspielen, die in den USA deutlich früher in Anwendung kommen wird als in Grossteilen Europas. Dafür werden hohe Investitionen fällig. Eine Frequenzauktion soll im Herbst stattfinden. Ein 5G-Netz wird benötigt, damit riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit Milliarden Geräte vernetzt werden können. Das ist beispielsweise in der Industrie 4.0 und dem autonomen Fahren nötig.

Okay der Wettbewerbsbehörden noch unsicher

Im Jahr 2014 scheiterte der erste Versuch beider Konzerne, zu fusionieren an der geringen Wahrscheinlichkeit, dass die Kartellämter den Deal durchwinken würden. Auch vier Jahre später könnte ein Zusammenschluss deswegen nicht zustande kommen. Allerdings erklärten T-Mobile US wie auch Sprint, die zuständige Behörde FCC einbezogen zu haben. Direktor Ajit Pai habe versprochen, die Transaktion «unvoreingenommen» zu prüfen. Im Mittelpunkt wird stehen, wie sich die Fusion auf die Kunden auswirkt. «Ob der Deal von den Wettbewerbsbehörden durchgewunken wird, hängt wahrscheinlich auch von der politischen Grosswetterlage ab. Das lässt sich schwer vorhersagen», sagte Branchen-Experte Torsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Derzeit sind mehrere grosse Übernahmen – wie der Time-Warner-Kauf durch AT&T – in der Prüfung.

Vereinbart wurde, dass die derzeitige Nummer drei alle Sprint-Anteile übernimmt. Für jeweils 9,75 Sprint-Anteile erhalten die Aktionäre eine neue Aktie der T-Mobile US. Nach Abschluss der Transaktion soll die Sprint-Mutter Softbank aus Japan 27% halten. Seit Herbst haben die Sprint-Papiere rund ein Fünftel an Wert verloren. Der neue Konzern soll vom bisherigen T-Mobile-US-Chef John Legere geführt werden. Sollte der Deal scheitern, sind die Bonner Insidern zufolge nicht verpflichtet, eine sonst in diesen Fällen übliche Strafgebühr zu zahlen.

Die Schulden des Bonner Konzerns steigen zumindest vorübergehend durch den Kauf von Sprint. Laut Telekom wird der Stand der Netto-Finanzverbindlichkeiten zum bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) wohl oberhalb des Zielkorridors von 2,0 bis 2,5 landen. Die Synergien durch den Kauf – in Form von Einsparungen und der Integration der Mobilfunknetze – sollen bei rund 43 Mrd. $ liegen.

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