Märkte / Makro

Tagebuch Eurokrise – März

Nach Zypern könnten Spanien und Slowenien die nächsten Krisenfälle für die Eurozone werden. 300 € täglich – mehr gibt es bis auf Weiteres an zyprischen Geldautomaten nicht zu holen.

Donnerstag, 28. März 2013

(GAH) Die nächsten Patienten stehen bereits an, um gerettet zu werden, und die deutsche Regierung erwartet nicht, dass Zypern zu einem Modell für kommende Rettungspläne wird.

  • Gemäss einer Umfrage von Reuters befürchtet die Mehrheit der befragten Ökonomen, dass Zypern nicht das letzte Land sein wird, das Geld aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus benötigt. Besonders gefährdet seien Spanien und Slowenien. Die Regierungen beider Staaten dementierten allerdings entsprechende Pläne.
  • Der spanische Finanzminister Luis de Guindos lehnt weitere Finanzspritzen für die angeschlagenen Banken ab. Als Folge der Immobilienkrise verzeichneten die verstaatlichten Banken erst kürzlich Verluste in Milliardenhöhe.
  • Das verhältnismässig kleine Slowenien hat insbesondere die Last eines maroden Bankensystems zu tragen. Gemäss Schätzungen belaufen sich die faulen Kredite auf 7 Mrd. €, was 20% der slowenischen Wirtschaftsleistung entspricht. Gemäss dem Internationalen Währungsfonds (IWF) benötigt der mitteleuropäische Staat Investitionen und liquide Mittel in der Höhe von insgesamt 4 Mrd. €. Die Pläne der vormaligen Regierung zur Sanierung des Bankensektors seien zu wenig spezifisch, und die ungewisse Situation destabilisiere die Märkte.
  • Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sieht in Zypern indes einen Einzelfall. Der Minister ist zuversichtlich, dass für diesen speziellen Fall die richtige Lösung gefunden wurde. Die Kritik an Deutschland und dem IWF sei unbegründet und werde vorübergehen. Damit nimmt Schäuble indirekt Stellung zu den Anschuldigungen des luxemburgischen Aussenministers Jean Asselborn. Dieser hatte die Stellung der grossen Mitgliedstaaten innerhalb der EU scharf kritisiert (siehe Tagebuch vom 27. März).

Weitere Meldungen in Kürze

  • Vor der Wiedereröffnung der zyprischen Banken nach fast zwei Wochen wird ein Massenansturm befürchtet. In der Nacht auf heute haben die Finanzinstitute ihre Bargeldbestände stark aufgestockt. Die Bezugslimite in Zypern beträgt ab heute 300 € täglich. Geldtransfers sind auf 5000 € beschränkt. Die EU-Kommission bezeichnet die Kapitalverkehrskontrollen in Zypern als gerechtfertigt. Die Massnahmen wurden vorerst auf sieben Tage festgelegt. Die zyprische Börse bleibt bis nach Ostern geschlossen.
  • Während in Italien der Parteichef der Partito Democratico, Pier Luigi Bersani, und Beppe Grillo, der Führer der alternativen Bewegung Fünf Sterne, um die Gunst von Staatspräsident Giorgio Napolitano buhlen, freut sich der scheidende Ministerpräsident Mario Monti nach eigenen Angaben auf das Ende seiner Amtszeit. Eine Auflösung der politischen Blockade wird indes immer unwahrscheinlicher. Morgen Freitag will Bersani den Staatspräsidenten über sein Resultat informieren.
  • Die deutsche Arbeitsagentur vermeldet im März 2013 eine Zunahme um 70’000 Arbeitslose im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres. Im Vergleich zum Vormonat sank die Arbeitslosigkeit jedoch um 58’000 auf 3’098’000, was einer Veränderung der Arbeitslosenquote von -0,1 Prozentpunkten auf 7,3% entspricht. Diese für März geringe Abnahme ist laut der Agentur insbesondere auf den lang anhaltenden Winter zurückzuführen. Daher nahm die Zahl Erwerbslosen saisonbereinigt auch um 13’000 zu.

Mittwoch, 27. März 2013 Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?

Leser-Kommentare

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Markus Saurer 13.03.2013 - 17:02

Dieses Tagebuch ist ja super …. sehr nützliche Sache.