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Swiss Re räumt auf

Analyse | Der Versicherer erreicht trotz Grossschäden ein kräftiges Semesterergebnis. Um die defizitäre Industriesparte zu restrukturieren, werden 0,4 Mrd. $ ausgelegt.

Der Versicherer Swiss Re (SREN 101.3 -2.17%) hat die Semestereinnahmen 8% auf 18,2 Mrd. $ gesteigert. «Wir nutzen die günstige Dynamik im Rückversicherungsmarkt, um profitabel zu wachsen», verkündete Konzernchef Christian Mumenthaler an der Medienkonferenz.

Im Kerngeschäft verbesserte sich das Ergebnis 7% auf 1,2 Mrd. $, obschon für Sturm- und Flutschäden sowie wegen zwei Abstürzen von Boeing-Flugzeugen hohe Einzelsummen bezahlt wurden.

Börsengewinne eingestrichen

Gestiegen ist zudem das Vermögensergebnis. Auf den 132 Mrd. $, die Swiss Re zur Bedeckung der Versicherungsverpflichtungen anlegt, resultierte eine annualisierte Rendite von 4,2%. Finanzchef John Dacey erklärte, durch Vermögensumschichtungen seien Bewertungsgewinne eingestrichen worden.

Dank der Ertragsfortschritte verkraftet das Unternehmen die gut 0,4 Mrd. $, die für die Sanierung der Sparte Industrieversicherung nötig sind. Nach diesen Sonderkosten bleibt ein Semesterüberschuss von knapp 1 Mrd. $ bzw. umgerechnet 3.20 Fr. je Aktie unwesentlich weniger als im Vorjahreszeitraum.

Problemsparte wird bis 2021 genesen

Im Industriegeschäft deckt Swiss Re für Grossunternehmen und multinationale Konzerne bspw. Brand- und Überflutungsschäden sowie Kosten von Betriebsunterbrüchen. Erneut waren hier die Risiken und Ausgaben ungenügend budgetiert.

Das Management entschied, Deckungskategorien im Umfang eines Drittels des Spartenvolumens aufzugeben oder in neue Form zu bringen. «In der neuen Ausrichtung wird das Industriegeschäft spätestens 2021 das Renditeziel von rund 10% erreichen», sagte Mumenthaler.

Börsenaspiration erneut nächstes Jahr

Zuversichtlich ist er zudem, die Beteiligung an der Geschäftseinheit ReAssure nächstes Jahr von 75% unter 50% zu drücken. Die dazu geplante Börsenöffnung in London wurde im Mai abgeblasen, weil die Nachfrage institutioneller Anleger harzte. Wegen der Unsicherheiten um Grossbritanniens Loslösung von der EU wird erst nächstes Jahr ein erneuter Versuch gestartet. Mumenthaler machte klar, verschiedene Vorgehen würden geprüft.

Die Vorschau auf das Jahresergebnis ist von den Überlegungen geprägt, wie schwer die eben beginnende Hurrikan-Saison ausfallen wird. Bleiben die versicherten Folgen von Stürmen und weiteren Naturereignissen nach zwei überdurchschnittlich intensiven Jahren auf Höhe der Mehrjahresgrösse, wird Swiss Re 2019 ein gutes Gesamtergebnis erreichen.

Auf Dividende ist Verlass

«Finanz und Wirtschaft» schätzt, der Gewinn könnte 2,2 Mrd. $ bzw. 7.40 Fr. je Aktie erreichen. Daran gemessen notieren die Papiere auf dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13. Es zeigt eine in historischer Betrachtung übliche Bewertung an.

Tritt dieses Szenario ein, ist eine Dividendensteigerung wahrscheinlich. Die Kapitalpolitik des Konzerns sieht vor, auch nach einem mageren Jahr die Ausschüttung zumindest beizubehalten. Zudem läuft ein auf 1 Mrd. Fr. ausgelegtes Aktienrückkaufprogramm, unter dem erst Papiere im Wert von 440 Mio. Fr. erworben sind.

Aktien laufen vermutlich mit dem Gesamtmarkt

Der Aktienkauf und die Dividendenperspektiven verleihen den Aktien eine verlässliche Stütze. Das dürfte viele Anleger darüber hinwegtrösten, dass Swiss Re auch nächstes Jahr noch von der Sanierung des Industriegeschäfts belastet sein wird und für ReAssure noch die geeignete Lösung finden muss. Absehbar ist deshalb, dass die Papiere sich vorerst nicht vom Markttrend abheben werden.

Die komplette Historie zu Swiss Re finden Sie hier. »

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