Meinungen

Taktgeber USA

Für die Weltwirtschaft ist die Ausgabenfreude und Belastbarkeit des US-Konsumenten nach wie vor zentral. Der Rückgang der Verschuldung trügt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Rohner.

«Es wäre töricht, anzunehmen, der amerikanische Konsument werde es im nächsten Abschwung schon richten»

Mit dem Aufstieg Chinas verschieben sich die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse von West nach Ost. Das ist unbestritten. Doch ob des China-Hype darf nicht vergessen werden, dass auf der Nachfrageseite die Musik immer noch im Westen spielt.

Allein die amerikanischen Haushalte tragen mehr zum Welt-BIP bei als ganz China. Wenn der US-Konsument müde wird, ist das für die Weltwirtschaft immer noch viel verheerender als ein Schwächeanfall der chinesischen Industrie. Deshalb kommen Investoren nicht darum herum, die finanzielle Verfassung der Amerikaner im Auge zu behalten. Sind sie in der konjunkturellen Verlangsamung eher eine Stütze oder ein Risikofaktor, wie vor der Finanzkrise 2008, als die Schulden aus dem Ruder liefen?

Die Verschuldung der US-Haushalte ist seit der Finanzkrise von 100 auf 80% des BIP gesunken. Das ist die gute Nachricht. Die Zeitbombe der überschuldeten US-Konsumenten scheint entschärft. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Gebessert hat sich einzig die Situation im Bereich der Hypothekarschulden, und das hat vor allem damit zu tun, dass die Eigenheimquote gefallen ist. Gleichzeitig ist das Volumen der Studiendarlehen und der Autokredite in die Höhe geschossen. Zudem werden Neuwagen häufiger geleast. Leasinggebühren wie auch Mieten sind keine Schulden, sie belasten aber gleichwohl die Zahlungsfähigkeit.

Den US-Konsumenten geht es finanziell nicht viel besser als vor zehn Jahren. Deshalb muss man zwar nicht gleich eine Wiederholung der damaligen Ereignisse an die Wand malen. Doch einfach anzunehmen, der amerikanische Konsument werde es im Konjunkturabschwung schon richten, wäre töricht.

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