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Die Taktiktafel der Konjunkturanalyse

In welchem Stadium befindet sich der Konjunkturzyklus? Der FuW-Blog The State of Swing präsentiert zusammen mit Makronom drei wichtige Impulse in achtzehn Ländern und Wirtschaftsräumen.

André Kühnlenz

Wirtschaftskrisen kommen selten unvorhergesehen. Klar, der genaue Zeitpunkt lässt sich eigentlich niemals voraussagen, auch nicht, wie lange eine Rezession dauert. Selbst die meisten ökonomischen Modelle taugen da recht wenig, wenn es darum geht, die Gründe für die periodischen Schwankungen der Wirtschaftsleistung zu erklären. In diesem Blog verfolge ich dagegen den Ansatz, dass Konjunkturkrisen deswegen ausbrechen, weil sich zuvor immer Übertreibungen in der Realwirtschaft herausbilden.

Die Unternehmen investieren im Aufschwung fortlaufend in den Kapitalstock. Da ihnen in einer Marktwirtschaft aber niemand vorschreiben kann, wie viel sie in neue Maschinen und Anlagen investieren können oder sollten, damit die Gewinne weiterhin wachsen, passiert im Aufschwung Folgendes: Die Neuinvestitionen wachsen schneller und nochmals schneller als die Einkommen. Was nichts anderes heisst, als dass die privaten Konsumausgaben langsamer zulegen.

Kapitalimpuls, Profitimpuls und Kreditimpuls

Zugleich wächst regelmässig die Gewinnsumme schneller als die Lohnsumme – bevor der Staat über Steuern und Abgaben die Einkommen umverteilt. Genau diese Konjunkturdynamik lässt sich mit drei Impulsen darstellen: dem Kapitalimpuls, der positiv wird, wenn die Investitionen schneller wachsen als die Einkommen. Oder dem Profitimpuls, der positiv wird, wenn die Summe der operativen Gewinne schneller wächst. Verbunden mit der Kreditaufnahme (aus Darlehen und Anleihen), die ebenfalls schneller wachsen kann als das Einkommen und dann einen positiven Kreditimpuls abliefert.

Diese drei Impulse durchziehen wie ein roter Faden den Konjunkturverlauf fast jeder Volkswirtschaft. Sie zu erkennen, kann helfen, die Grundzüge von Aufschwung und Abschwung besser zu verstehen. Für den besseren Überblick hat The State of Swing jetzt zusammen mit dem Kooperationspartner Makronom eine Art Taktiktafel der Konjunkturanalyse zusammengestellt: Darin finden sich die drei wesentlichen Konjunkturimpulse für achtzehn wichtige Länder und Wirtschaftsräume sowie eine ausführliche Erklärung der Impulse.

Das grosse Konjunkturbild

Ähnlich wie in zahlreichen Fussball-Taktikblogs geht es darin nicht darum, jede kleinste Einzelheit des Geschehens auf dem Platz zu beleuchten – es geht um den roten Faden. Um das grosse Bild, wenn wir monatlich die neuesten Konjunkturdaten präsentiert bekommen. Und so können wir sehen, wie die Investitionsdynamik in den USA bereits seit Sommer 2016 weit vor Trumps Präsidentschaft an Fahrt gewonnen hat. Die Eurozone hat dagegen seit dem Sommer 2017 etwas an Schwung verloren (es sieht aber weiterhin positiv aus), in Deutschland nimmt die Profitabilität bereits etwas stärker ab – womöglich ein Warnsignal.

Die Daten der Taktiktafel werden fortlaufend aktualisiert, und wenn sich grosse Veränderungen ergeben, werde ich hier im Blog natürlich darüber berichten. Da die Daten oft etwas länger zurückliegen (aktuell bis zum dritten Quartal 2017), werde ich mich aber auch weiterhin immer mit den neuesten Konjunkturdaten und Umfragen beschäftigen, die für den aktuelleren Rand relevant sind. Richtschnur dabei sind jedoch immer die drei wichtigen Konjunkturimpulse.

Hinweis: Die Beiträge in diesem Blog erscheinen in Kooperation mit dem Online-Magazin Makronom. Worum es hier eigentlich geht, habe ich im ersten Beitrag beschrieben: Konjunkturanalyse geht jeden an – oder warum wir einen Taktikblog der Konjunkturanalyse brauchen.

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