Unternehmen / Konsum

Tamedia mit weniger Gewinn

Die Mediengruppe spürt die rückläufigen Werbeeinnahmen im Printgeschäft. Wachstumstreiber bleiben Marktplätze und Beteiligungen.

(AWP/GAH) Die Mediengruppe Tamedia (TAMN 108.8 0.37%), zu der auch «Finanz und Wirtschaft» gehört, ist im vergangenen Jahr dank Übernahmen sowie den anhaltend gut laufenden kommerziellen Digitalangeboten gewachsen. Weiter rückläufig entwickelten sich dagegen die Print-Werbeerlöse.

Die Gewinnzahlen liegen wegen Sonderfaktoren deutlich unter dem Vorjahr. Die Bedeutung der Publizistik nimmt beim grössten Schweizer Medienhaus Tamedia weiter ab. Insbesondere bei den Bezahlmedien setzte sich der Niedergang 2018 fort.

Nur dank der Übernahmen der Werbevermarktungsfirmen Neo Advertising und Goldbach (letztere konsolidiert seit September), der Basler Zeitung sowie den weiter prosperierenden kommerziellen Digitalangeboten resultierte für das abgelaufenen Geschäftsjahr dennoch ein Umsatzwachstum. Der Erlös nahm 3,7% auf 1,01 Mrd. Fr. zu, wie Tamedia am Dienstag mitteilte.

Ebit-Marge geht deutlich zurück

Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) verminderte sich dagegen deutlich um 27,2% auf 131,6 Mio. Fr. Die Marge beläuft sich damit noch auf 13% nach 18,6%. Allerdings profitierte Tamedia im Vorjahr von verschiedenen buchhalterischen Sondereffekten, während 2018 der Konkurs von Publicitas mit 6 Mio. Fr. sowie ein höherer Vorsorgeaufwand auf die Rechnung schlugen. Unter Ausklammerung aller Sondereffekte liegt das Betriebsergebnis leicht unter Vorjahr.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 129,5 Mio. Fr. Das sind 23,9% weniger als im Vorjahr. Darin enthalten ist ein positiver Steuerertrag in Höhe von 14,4 Mio. aus der Anpassung des Steuersatzes im Kanton Waadt. Die Aktionäre sollen am Gewinn mit einer unveränderten Dividende von 4.50 Fr. partizipieren.

Die ausgewiesenen Zahlen liegen leicht unter den Schätzungen der ZKB. Die Zürcher Kantonalbank hatte einen Umsatz von 1,03 Mrd. und einen Ebit von 138,1 Mio. Fr. prognostiziert.

Printwerbung weiter unter Druck

Stark rückläufig waren 2018 erneut die Werbeerlöse in den gedruckten Zeitungs- und Zeitschriftenangeboten. Insgesamt verringerte sich der Umsatz des Geschäftsfeldes Bezahlmedien so um 5,7% auf 569,6 Mio. Noch stärker litt das Betriebsergebnis. Dieses ging auf Stufe Ebit von 54 auf 18 Mio. Fr. zurück. Die Marge betrug noch 3,2%.

Belastend wirkten der Konkurs der Werbevermittlerin Publicitas, Schliessungskosten für die gedruckte Ausgabe der Westschweizer Zeitung «Le Matin» sowie das tiefere Ergebnis der Zeitungsdruckzentren.

Besser lief es im Bereich Pendlermedien und Vermarktung. Hier ist neben «20 Minuten» der Umsatz der neu dazugekommenen reinen Werbevermarktungsunternehmen Neo Advertising (Out-of-Home) und Goldbach (vor allem Bewegtbild) angesiedelt. Insgesamt erhöhte sich der Erlös 33,7% auf 206,4 Mio. Der Ebit verbesserte sich um 3 auf 51 Mio. Fr.

Digital treibt Wachstum

Der grosse organische Wachstumsträger war aber auch 2018 das Geschäftsfeld Marktplätze und Beteiligungen. Hier nahm der Umsatz 7,3% auf 252,8 Mio. zu, der Ebit verbesserte sich überproportional um 11 auf 70 Mio. Fr., was einer Marge von 27,8% entspricht. Besonders gut präsentierten sich gemäss Mitteilung die Plattformen Jobcloud, Homegate, Olmero und Doodle. Die digitalen Angebote steuern mittlerweile über 43% zum Umsatz und 86% zum Ebit von Tamedia bei.

Tamedia will in den nächsten drei Jahren den digitalen Teil seines Kerngeschäftes Publizistik stärken und dafür 30 Mio. Fr. investieren. Zwei Drittel davon sollen im redaktionellen Bereich der Bezahlmedien und ein Drittel im kommerziellen Bereich eingesetzt werden. Ziel sei es, neue digitale Angebote zu lancieren, die den Ansprüchen und Gewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer entsprächen.

Unternehmensstruktur wird überprüft

Überprüft werden soll zudem die gesamte Unternehmensorganisation. Die Gruppe will so optimale Voraussetzungen für Transparenz und Wachstum in allen Geschäftsfeldern schaffen.

Entsprechende Entscheidungsgrundlagen werden bis Sommer in Aussicht gestellt. Auf einen konkreten Geschäftsausblick für das laufende Jahr verzichtet das Tamedia-Management wie gewohnt.

Die komplette Historie zu Tamedia finden Sie hier. »

Leser-Kommentare