«Ein Argentinier ist ein Italiener, der Spanisch spricht, denkt wie ein Franzose und wäre gerne Engländer», sagte Jorge Luis Borges. Der grosse argentinische Schriftsteller musste es ja wissen. Der Bandoneon-Spieler hier musiziert im Viertel La Boca von Buenos Aires, an der Garibaldi-Strasse. Benannt zu Ehren des italienischen Nationalhelden, der freilich aus Nizza stammte und einst auch in Brasilien und Uruguay focht. Nun sind die Italiener beidseits des Atlantiks kreative Menschen und leben auf gesegneter Erde; reiche Länder müssten das sein. Doch bringen es die Cousinvölker, bei allen Unterschieden, chronisch nicht auf die Reihe. Italiener wie Argentinier wählen nicht gar so selten messianische Hanswurste in oberste Staatsämter. Die neue «populistische» Regierung in Rom zeugt davon. Der Peronismus wiederum, der Argentinien seit den 1940er-Jahren unvorteilhaft prägt, hat in seiner Geschichte von Faschismus bis Sozialismus alles aufgesogen. Seit zweieinhalb Jahren regiert in der Casa Rosada zwar ein Nichtperonist, Mauricio Macri, doch auch er hat Mühe. Die Inflation steigt, der Peso sinkt. Bleibt den Argentiniern nur Tango-Nostalgie – und, vielleicht, die Fussball-Weltmeisterschaft. Die Italiener haben nicht mal das.