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Tecan bricht alle Rekorde

Analyse | Der Laborausrüster profitiert vom Boom in Virustests. Was aber macht er mit bald 500 Mio. Fr. Nettoliquidität?

Negative und günstige Coronaeffekte würden sich die Waage halten: Dieser Befund des Tecan-Managements vor einem Jahr erwies sich als viel zu pessimistisch. Das auf Automation komplexer Abläufe in medizinischen Labors spezialisierte Unternehmen erlebte «ein in jeder Hinsicht ausserordentliches Jahr», wie es die neue Finanzchefin Tania Micki formulierte.

In der zweiten Jahreshälfte beschleunigten sich sämtliche Wachstumsraten. Der Auftragseingang stieg von Juli bis Ende Dezember in Lokalwährung um die Hälfte, der Umsatz 28%, die operative Marge auf Stufe Ebitda trotz belastender Währungsumrechnung 2 Prozentpunkte auf 23,6%.

Die Ganzjahreszahlen übertrafen die anspruchsvolle Erwartung der Finanzanalysten. Diese hatten ihre Prognose Anfang Dezember angehoben, nach einer vielversprechenden Zwischenmeldung des Unternehmens. Tecan (TECN 545.00 +1.11%) profitiert davon, dass die Kunden ihre Kapazität für Covid-Diagnosetests ausbauen und margenträchtige automatisierte, effiziente Gesamtlösungen, aber auch Verbrauchsmaterialien besonders gefragt sind.

Pulver trocken halten

Der einzige Wertmutstropfen ist die verhältnismässig bescheidene Dividendenerhöhung von 2.20 auf 2.30 Fr. Nur gut ein Viertel des Gewinns wird ausgeschüttet. Abgesehen davon, dass die Aktien nie Dividendenpapiere waren: Tecan will sich offenbar das Pulver für Übernahmen trocken halten. Die Nettoliquidität ist per Ende Jahr um rund die Hälfte auf 468 Mio. Fr. gestiegen, mehr als doppelt so hoch wie 2015.

CEO Achim von Leoprechting betonte, Tecan sei absolut willens, Kapital in Akquisitionen zu investieren. In einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» im vergangenen November hatte er kommentiert: «Wir können bis mindestens 1 Mrd. Fr. gehen.» Aber er lasse sich nicht festnageln, wann genau.

Auch ohne grandiosen Wurf wird der seit 2013 währende stete Aufwärtstrend weitergehen, wenngleich mit wieder flacheren Jahresraten. Das Management rechnet für 2021 mit einem 5 bis 15% höheren Umsatz in Lokalwährung, ohne Akquisitionen, und einer Ebitda-Marge mindestens in Vorjahreshöhe.

Die beiden Jahreshälften werden sehr unterschiedlich ausfallen. In den ersten sechs Monaten wird Tecan vom rekordhohen Auftragsbestand zehren. Das Volumen von PCR-Virustests seit Anfang Januar erreicht bereits über 60% des Umfangs von 2020. Im zweiten Semester ist die Messlatte höher angesetzt, ein Umsatzrückgang ist nicht auszuschliessen.

Kein Einbruch abzusehen

Und über 2021 hinaus? Der CEO geht davon aus, dass sich das Nicht-Covid-Geschäft normalisiert. Im vergangenen Jahr büsste es seiner Schätzung nach 60 bis 80 Mio. Fr. Umsatz ein, weil weniger Routinetests durchgeführt wurden. Mittelfristig bleibe er, wie er mehr als einmal unterstrichen hat, «sehr zuversichtlich».

Tecan bringe neue Produkte auf den Markt und profitiere davon, dass die Investitionen in Testinfrastruktur hoch blieben. Viele Länder haben Nachholbedarf. Diagnostik werde nicht mehr als Stiefkind der Gesundheitsbranche angesehen, das nur Kosten verursache, meinte Achim von Leoprechting im besagten Gespräch mit FuW. Was die betriebliche Profitabilität betrifft, lautet das Ziel, die Ebitda-Marge weiterhin kontinuierlich zu steigern.

Abschluss und Aussichten von Tecan stiessen an der Börse auf gute Resonanz. Eine langfristige Investition in diese Aktien lohnt sich. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 ist happig, ja. Aber Unternehmen, die durch alle externen Krisen hindurch wachsen, gleichzeitig die Profitabilität steigern und über eine überaus solide Bilanz verfügen, sind rar.

Das Geschäftsmodell von Tecan ist wenig kapitalintensiv, ein wesentlicher Teil der Forschungs- und Entwicklungskosten wird von den Kunden im Geschäft mit Fremdmarken getragen. Mit einem RONA, der Rendite auf den Nettoaktiven, von 47% (Vorjahr: 26) schafft das Unternehmen viel Aktionärswert.

Die komplette Historie zu Tecan finden Sie hier.»