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Tesla verbrennt Cash im Überholtempo

Der Elektroautohersteller hat die Produktion des Model 3 in den vergangenen Wochen forciert. Dennoch verschärft sich seine finanzielle Situation weiter. Die Aktien knicken erneut ein.

Christoph Gisiger, Los Angeles

Tesla fährt einen halsbrecherischen Kurs. Wie der Elektroautobauer aus Kalifornien am Mittwochabend mitteilte, hat er im April bis zu 2270 Einheiten des Mittelklassewagens Model 3 pro Woche hergestellt. Zudem hat sich die Produktion für drei Wochen in Folge auf mehr als 2000 Stück belaufen.

«Was mich am meisten begeistert, ist der Anstieg unseres Outputs», sagte Tesla-Gründer und Konzernchef Elon Musk während der Präsentation der Quartalszahlen. Die Produktion des Model 3 bleibt zwar nach wie vor hinter den Vorgaben zurück. Im Vergleich zu Anfang Jahr rückt das eigentlich bereits bis Ende März gesteckte Zwischenziel von 2500 Autos pro Woche aber zumindest in Sichtweite.

Der Model 3 spielt deshalb eine so wichtige Rolle, weil Tesla damit den Massenmarkt erschliessen und dadurch die Schwelle zur Profitabilität überschreiten will. So soll der Ausstoss «in rund zwei Monaten» sogar bis auf das nächste Etappenziel von 5000 Wagen pro Woche steigen, stellt Musk in Aussicht. Als Folge davon werde Tesla im dritten und vierten Quartal «endlich profitabel» arbeiten.

Musk steht in der Beweispflicht

Ob ihm das tatsächlich gelingt, bleibt abzuwarten. Es wäre nicht das erste Mal, dass der 46-jährige Entrepreneur zu viel versprochen hat. Insgesamt hat Tesla im ersten Quartal lediglich 9766 Model 3 ausgeliefert und dabei im Überholtempo Geld verbrannt: Der negative freie Cashflow wuchs gemäss dem Datendienst Bloomberg auf über 1 Mrd. $, nachdem es in der vorangegangenen Berichtsperiode knapp 280 Mio. $ waren.

Ernüchternd sieht auch die Erfolgsrechnung aus. Für die ersten drei Monate des Jahres resultiert ein Rekordverlust von mehr als 700 Mio. $. Im Vorjahreszeitraum war es ein Fehlbetrag von 330 Mio. $. Der Umsatz nahm rund 25% auf 3,4 Mrd. $ zu. Davon entfallen 2,7 Mrd. $ auf die Autosparte und der Rest auf das Energiegeschäft, das Musk 2016 durch die kontroverse Fusion mit SolarCity ausgebaut hat.

Dass Tesla zunächst viel Geld investieren muss, um die Produktion des Model 3 auf ein profitables Niveau hochzufahren, war von Anfang an klar. Die Schlüsselfrage ist jedoch, ob das dem Unternehmen nach den bisherigen Fertigungsproblemen am Standort Fremont rechtzeitig gelingt, bevor das Geld ausgeht. Per Ende März weist es verfügbare Mittel von 2,67 Mrd. $ aus, wogegen es Ende Dezember 3,37 Mrd. $ waren.

Kritische Fragen an der Telefonkonferenz

In der – unstrukturiert wirkenden und von kritischen Fragen gespickten – Resultatbesprechung mit Analysten hat Musk erneut bekräftigt, dass Tesla keine zusätzlichen Mittel brauche. Mit Blick auf die rasch abnehmende Liquidität zweifeln viele Investoren diese Aussage jedoch an, obwohl Tesla den Ausblick für die Kapitalausgaben in diesem Jahr von über 3,4 Mrd. $ auf weniger als 3 Mrd. $ gesenkt hat.

Die Aktien Tesla sind am Mittwoch denn auch erneut unter Druck geraten. Im nachbörslichen Handel zogen sie nach der Resultatpublikation zunächst zwar leicht an. Im Verlauf der Telefonkonferenz verloren sie jedoch rasch an Terrain und notierten am Schluss fast 5% im Minus auf 286 $. Es kommen damit böse Erinnerungen an die Kursturbulenzen von Anfang April auf, als die Titel wegen Sorgen um einen Liquiditätsengpass auf nahezu 250 $ einbrachen.

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