Meinungen

«The Times They Are a-Changing»

Protektionismus statt Globalisierung. Dagegen hat auch das Wef einen schweren Stand. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Wer glaubt, dass sich dank dem Wef die Welt bald wieder umarmt, der täuscht sich.»

Keine Frage. Das World Economic Forum in Davos ist eine wichtige Veranstaltung. Die einflussreichsten Politiker, Wissenschaftler, Unternehmenskapitäne und Medien geben sich ein Stelldichein und setzen die Agenda für die Zukunft des Planeten. Globalisierung steht dabei seit Jahrzehnten ganz oben auf der Prioritätenliste.

Globalisierung 4.0 hiess das Motto am Wef denn auch 2019. Doch was früher ein Allheilmittel war, gilt heute in weiten Kreisen als umstrittene Behandlungsmethode mit schweren Nebenwirkungen. Globalisierung ist nicht mehr «en vogue», Protektionismus heisst das neue Schlagwort. Dass es da dem Wef gelingt, Gegensteuer zu geben, darf bezweifelt werden. Dabei wäre es dringend nötig, den protektionistischen Tendenzen einen Riegel vorzuschieben. Denn wie Gordon Brown, der frühere Premier des Vereinigten Königreichs, im Interview mit «Finanz und Wirtschaft» erklärt, wird Protektionismus, wenn er jetzt schon ein Problem ist, in einer Krise erst recht eines sein.

Das Fernbleiben von Protagonisten wie Donald Trump, Theresa May, Xi Jinping und Wladimir Putin hat unterschiedliche Gründe. Es ist jedoch bezeichnend, dass gerade Staatslenker, die Protektionismus vorleben, in Davos fehlen. Hat das Wef an Bedeutung verloren, und werden die wichtigen Entscheide mittlerweile abseits der Schweizer Berge gefällt?

Es wäre schade. Für ein Land wie die Schweiz als global ausgerichtete Exportnation ist Globalisierung mit offenen Grenzen und niedrigen Zöllen das A und O. Einen Anlass hier im Lande zu haben, der für unsere politische und wirtschaftliche Elite ein Heimspiel ist, ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Doch wer glaubt, dass sich dank dem Wef die Welt bald wieder umarmt, der täuscht sich.

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