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Thiam lobt Gottstein

Der scheidende CS-Chef freut sich sehr über die Ernennung Gottsteins. Er sei nicht nur ein guter Manager, sondern auch ein guter Mensch.

(AWP/VA) Der scheidende CS-Chef Tidjane Thiam war an seinem letzten Arbeitstag voll des Lobes für seinen Nachfolger. Er liess es sich nicht nehmen, auch seinen Anteil an dessen Aufstieg herauszustreichen. Der designierte Thomas Gottstein bezeichnete seinen Vorgänger wiederum gar als Freund.

Er fühle sich geehrt und sei aufgeregt, sagte Gottstein vor den Medien. Und natürlich freue er sich auf die Aufgabe.

Die Zusammenarbeit mit Thiam sei immer professionell und partnerschaftlich gewesen. Er würde sogar so weit gehen, ihn als einen Freund zu bezeichnen, auch wenn dieser Arsenal-Fan sei.

«Die letzten Monate waren nicht einfach für alle von uns», fuhr Gottstein fort, der bis dato das Schweiz-Geschäft verantwortete. Jetzt sollte die Bank ihm zufolge in die Zukunft schauen.

«Bank gut positioniert»

CS sei sehr gut positioniert, um Wert für die Aktionäre zu schaffen. Alle Bereiche hätten Potential. Er sehe auch keinen Grund, die klare und nachhaltige Strategie anzutasten – ein global führender Vermögensverwalter mit starkem Investment Banking.

Im Moment habe er zudem keine Pläne, an der Besetzung der Konzernleitung zu rütteln. Einzig André Helfenstein wird als Nachfolger von Gottstein auf dem CEO-Posten für die Schweiz künftig auch zum Top-Management der Grossbank gehören.

Gottstein wird in der nächsten Zeit damit beschäftigt sein, die Stakeholder zu treffen. Dazu dürften wohl auch Gespräche mit unzufriedenen Aktionären wie Harris Associates zählen, die mit einer Revolte gegen CS-Präsident Urs Rohner drohen. Auch mit den Medien will Gottstein in einen Dialog treten. Ausgebaut werden soll auch die bereits intensivierte Zusammenarbeit innerhalb der Bank.

«Werde ausruhen»

Der scheidende Thiam sagte auf die Frage eines Journalisten, ob er etwas bereue von seinen rund viereinhalb Jahren als CEO der Credit Suisse (CSGN 12.285 -3.34%): Es seien für ihn die 19. Quartalsergebnisse, und der ganze Konzernumbau sei «eine grosse Sache» gewesen.

Wie seine Zukunftspläne aussehen, wollte er nicht sagen. Am Nachmittag wollte er zum Abschluss noch gemeinsam mit Gottstein ein grosses Townhall für die CS-Mitarbeiter abhalten, sagte der Franko-Ivorer. Morgen werde er sich dann ausruhen (tomorrow I will go and rest).

Zu den Gründen seines Abgangs sagte Thiam, es habe Diskussionen mit dem Verwaltungsrat gegeben. Und wenn es den Wunsch nach einer Änderung gibt, sei es seine Pflicht dem nachzukommen.

Gottstein befördert

Mit Blick auf Gottstein sagte er: «Bescheidenerweise kann ich sagen, dass ich Thomas befördert habe.» Er freue sich sehr über seine Ernennung. Und dass sein Nachfolger von innen komme, sei für ihn ein Erfolgsnachweis, sagte Thiam weiter. Gottstein sei nicht nur ein guter Manager, sondern auch eine guter Mensch.

Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass die Beschattungsaffäre Thiam zum Verhängnis wird und er nach der Zahlenpräsentation am (heutigen) Donnerstag seinen Posten räumen muss. Ab dem (morgigen) Freitag ist Gottstein offiziell CEO.

Die Affäre nahm ihren Lauf, als im September 2019 herauskam, dass die Credit Suisse ihren früheren Top-Manager Iqbal Khan von Privatdetektiven beschatten liess – nachdem dieser angekündigt hatte, zur UBS (UBSG 11.695 -3.07%) zu wechseln. Einer internen Untersuchung zufolge soll der mittlerweile fristlos entlassene COO Pierre-Olivier Bouée in Eigenregie gehandelt und Thiam nichts davon gewusst haben.

Später flog dann auf, dass es kein Einzelfall war und Bouée auch den früheren Personalchef Peter Goerke überwachen liess. Die Bank sprach von einem schwerwiegenden Reputationsschaden wegen der ganzen Affäre.

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