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Thomas Jordans seltsame Prioritäten

Markus Diem Meier

Selten sah man Thomas Jordan so stolz und glücklich wie an den Anlässen, an denen er die neue Notenserie der Nationalbank vorstellen durfte. Am Bargeld werde die Nationalbank durch alle Böden festhalten, das war stets die Begleitbotschaft.

Während die Notenbanken der übrigen Länder über die Einführung einer digitalen Währung sinnieren, weil das moderne Technologien und Märkte immer mehr erfordern, will man bei der Nationalbank nichts davon wissen. Die Begründung: Bisher funktioniert auch so alles prächtig.

 Doch die Welt bleibt nicht stehen. Das zeigt sich überdeutlich am geliebten Bargeld. Gemäss einer aktuellen Umfrage der Nationalbank sind die Transaktionen mit Bargeld für unregelmässige Zahlungen innerhalb von nur drei Jahren um mehr als ein Viertel von 70 auf noch 43% eingebrochen. Gemessen an den verwendeten Geldbeträgen, hat sich der Bargeldanteil von 45 auf 24% fast halbiert.

Bei regelmässigen Zahlungen beläuft sich dieser Anteil auf nur noch 3%. Und während Bargeld 2017 im Mittel noch für Zahlungen um die 50 Fr. verwendet wurde, gilt das jetzt nur noch für solche um die 20 Fr. Und verwendet wird es überwiegend von älteren Personen, während es Jüngere zunehmend meiden.

Es liegt nahe, die radikale Abkehr vom Bargeld mit der Corona-Krise zu erklären. Doch die Umfrage der SNB zeigt, dass der Trend dank dem Virus nur zusätzlichen Schub erhalten hat, aber so weitergeht. Möglicherweise wird diese Entwicklung noch verstärkt: Denn die zunehmende Verwendung von bargeldlosen Zahlungen zwingt immer mehr Verkäufer, solche anzubieten. Das wiederum mindert die Notwendigkeit und den Sinn der Bargeldhaltung weiter.

Bargeld bewusst abzuschaffen, wäre dennoch keine gute Idee. Auch weil das Misstrauen säen würde. Man kann mit Barem zwar nicht der Inflation ausweichen – ganz im Gegenteil –, aber zum Beispiel den ungeliebten Negativzinsen. Doch obwohl diese in der Schweiz tiefer sind als überall sonst, setzen die Schweizerinnen und Schweizer noch nicht einmal deshalb vermehrt auf Bargeld.

Während das Bargeld künftig vermutlich nur noch ein Randdasein fristen wird, hätte die Nationalbank gute Gründe, sich den neuen Entwicklungen zu stellen. Auch wenn sie jetzt kein breit nutzbares digitales Geld einführen will, so wäre sie gut beraten, sich wie andere Notenbanken darauf vorzubereiten und die neuen Herausforderungen nicht weiter zu ignorieren.

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