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ThyssenKrupp will Aufzugssparte an die Börse bringen

Der Industriekonzern sagt die Aufspaltung und die Stahlfusion mit Tata Steel ab. Es soll einen neuen Schindler-Konkurrenten an der Börse geben.

(Reuters/AWP/SPU) ThyssenKrupp (TKA 11.495 2%) gibt die Pläne für ein Stahl-Joint-Venture und für eine Konzernaufspaltung auf und will stattdessen die lukrative Aufzugssparte an die Börse bringen. «Nach einem heutigen Gespräch mit der Wettbewerbskommission gehen ThyssenKrupp und Tata Steel davon aus, dass das geplante Joint Venture ihrer europäischen Stahlaktivitäten aufgrund der weiter fortbestehenden Bedenken der Kommission nicht zustande kommen wird», teilte der Konzern am Freitag mit. Die Konzernaufspaltung sei wegen der Konjunkturabkühlung und der Geschäftsentwicklung nicht möglich.

Der Vorstand werde dem Aufsichtsrat einen Börsengang der Aufzugssparte vorschlagen. ThyssenKrupp bestätigte damit die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern erwarte nun inklusive des Stahlbereichs im Geschäftsjahr 2018/19 ein bereinigtes Ebit von 1,1 bis 1,2 Mrd €. Unter dem Strich werde ThyssenKrupp im laufenden Jahr wohl Verluste machen.

An der Thyssen-Aufzugssparte hatte der finnische Konkurrent Kone (KNEBV 51.53 0.06%) – der auch Mitbewerber von Schindler (SCHP 224.3 0.4%) ist – Interesse angemeldet. Die Sparte ist seit Jahren der grösste Gewinnbringer von Thyssenkrupp.

Zu gross war zuletzt der Widerstand in Brüssel und auch in der eigenen Belegschaft, zu drastisch der Kursverfall der Thyssen-Aktie, zu scharf die Kritik von Investoren. Deshalb legte ThyssenKrupp-Chef Guido Kerkhoff , der noch nicht einmal ein Jahr im Amt ist, seine beiden wichtigsten Projekte zu den Akten.

Nach der geplatzten Stahlfusion will ThyssenKrupp in den kommenden drei Jahren 6000 Stellen abbauen. Davon entfallen etwa 4000 Stellen auf Deutschland, sagte Kerkhoff. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Grössenordnung nicht ausgeschlossen werden, ergänzte Personalvorstand Oliver Burkhard. In der Gesamtzahl seien 2000 Stellen enthalten, die auch bei der Stahlfusion mit Tata gestrichen werden sollten. «Es ist ein recht tiefgreifender Einschnitt», sagte Burkhard.

Für die rund 27’000 Stahlarbeiter von Thyssenkrupp sei das Veto der EU-Kommission «ein harter Schlag», sagte Kerkhoff. Ihnen hätten die Fusion mit Tata «eine Zukunftsperspektive gegeben».  Laut dem jüngsten Geschäftsbericht arbeiten bei dem Konzern weltweit rund 161’000 Menschen. Das Unternehmen ist in der Schweiz insbesondere im Aufzugs- und Fahrtreppengeschäft sowie im Materialhandel tätig. Hierzulange beträgt die Zahl der Mitarbeitenden laut einem Sprecher insgesamt rund 600. «Was das konkret für welches Geschäft und welche Standorte bedeutet, müssen wir noch detaillieren,» hiess es in einer Stellungnahme gegenüber AWP.

Die Anzeichen, dass die bestehenden Pläne nicht aufgehen, hatten sich seit Wochen verdichtet. Nun war der Druck auf Kerkhoff offenbar zu gross geworden. Schon zu Beginn seiner Amtszeit im vergangenen Sommer, als Kerkhoff Heinrich Hiesinger an der Spitze ablöste, kritisierten einige Investoren seine langjährige Rolle als Finanzchef im Konzern. «Kerkhoff gehört zur alten Garde. Es muss einen Neuanfang geben», hiess es damals von einem mächtigen Aktionär.

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