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Kein neuer Grosskonkurrent für Schindler

Kone ist vorerst raus aus dem Bieterrennen um ThyssenKrupps Aufzugssparte. Den Schweizer Mitbewerber Schindler wird das freuen.

(DY/AWP) Schindler (SCHP 205.4 -2.1%) bleibt bis auf weiteres die Nummer zwei im globalen Aufzugsmarkt, hinter Otis aus den USA. Eine Übernahme von ThyssenKrupps Liftsparte durch die finnische Konkurrentin Kone (KNEBV 49.9 -0.87%) ist vorerst vom Tisch. ThyssenKrupp (TKA 4.569 -1.81%) teilte am Montag mit, dass eine Vorauswahl für den Verkauf der Sparte getroffen worden sei. Der deutsche Stahl- und Industriekonzern wird demnach vorrangig mit zwei Gruppen von Finanzinvestoren verhandeln.

Verhandelt werde mit dem Konsortium Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan Investment Board sowie Advent und Cinven, teilte ThyssenKrupp mit. Das Ziel sei, kurzfristig eine Einigung über einen Mehrheits- oder einen Vollverkauf zu erzielen. Die deutsche Industrie-Ikone muss die Aufzugssparte, ihr rentabelstes Geschäft, aus Geldnot verkaufen.

Falls keine Einigung mit einem Bieter erreicht werden könne, stelle der Börsengang unverändert eine Option dar, so ThyssenKrupp. Er wäre dann ab dem Frühsommer möglich. Das Unternehmen erwartet einen Ertrag in Milliardenhöhe aus dem Geschäft.

Kone hält Zusammenschluss weiter für sinnvoll

Konkurrentin Kone hat sich in der Folge selbst aus dem Rennen genommen, wie sie am Montag mitgeteilt hat. Die Finnen sind gemäss Mitteilung nach wie vor überzeugt, dass eine Kombination mit ThyssenKrupp Elevator strategisch sinnvoll gewesen wäre. Allerdings müsste eine Akquisition so ausgestaltet sein, dass sie im besten Interesse von Kones Aktionären, Angestellten und Kunden wäre, heisst es weiter.

Im Vorfeld hatten mehrere involvierte Parteien Bedenken geäussert, dass es bei einem Verkauf an Kone zu langwierigen kartellrechtlichen Abklärungen kommen könnte. Auch Arbeitnehmervertreter, die in ThyssenKrupps Aufsichtsrat die Hälfte der Mitglieder stellen, standen Kone als Käuferin kritisch gegenüber. Sie befürchteten, dass die Finnen aufgrund von Überlappungen mehr Stellen streichen würden als ein Finanzinvestor.

«Einfach ein weiterer Deal»

Kone versuchte diese Nachteile wettzumachen, indem sie sich als die verantwortungsbewusstere Käuferin präsentierte. So sagte Kone-CEO Henrik Ehrnrooth, die ThyssenKrupp-Akquisition sei für die Private-Equity-Gruppen «wahrscheinlich einfach ein weiterer Deal». Für Kone sei es hingegen etwas, über das man «seit zwanzig Jahren nachdenke».

Dass Kone nicht zum Zug kommt, wird den Schweizer Mitbewerber Schindler freuen. Er hätte es ansonsten mit einem klaren neuen Marktführer zu tun bekommen. Ankeraktionär Alfred N. Schindler sowie CEO Thomas Oetterli hatten zuletzt gewarnt, dass dies zu einem harten Preiskrieg führen würde. Zudem hatte Schindler gedroht, gegen eine solche Fusion mit juristischen Mitteln vorzugehen.

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