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Todesstrafe für chinesischen Ex-Bankenchef

Der ehemalige Verwaltungsrat der in Schieflage geratenen Hengfeng Bank ist wegen illegal gemachten Gewinnen und Bestechung zum Tode verurteilt worden.

Ein Gericht in der ostchinesischen Stadt Jantai hat gegen Jiang Xiyun wegen zwischen 2008 und 2013 vorgenommener illegaler Finanztransaktionen im Wert von 108 Mio. $ die Höchststrafe verhängt. Gemäss dem schriftlichen Urteil ordnete der ehemalige Verwaltungsratspräsident der Hengfeng Bank die Vernichtung von Dokumenten an, die Geldflüsse im Wert von 600 Mio. Yuan erfasst haben. Das Urteil ist bedingt und kann, wie die staatlichen Medien berichten, bei guter Führung nach zwei Jahren in eine lebenslängliche Gefängnisstrafe umgewandelt werden.

Staatliche Rettungsaktion 

Die chinesische Bankenaufsichtsbehörde gab vergangenen Juni bekannt, dass das in der Provinz Shandong beheimatete mittelgrosse Finanzhaus zwei Jahre in Folge keine Abschlüsse vorgelegt hat. Bereits früher dieses Jahr hat die Provinzregierung die Restrukturierung der mit Liquiditätsproblemen kämpfenden Bank angeordnet. Die Hengfeng erhielt früher diesen Monat von einer Gruppe staatsnaher institutioneller Investoren eine Liquiditätsspritze im Volumen von 14 Mrd. $ verabreicht.

Die in Singapur beheimatete United Overseas Bank (UOB) hält eine strategische Beteiligung an Hengfeng, doch hat sie sich dem Vernehmen nach nicht an der Rettungsaktion beteiligt. 

Nur Spitze eines Eisbergs?

Seit Anfang Jahr musste eine ganze Reihe von chinesischen Banken vom Staat gerettet werden. So musste vergangenen Mai die Baoshang Bank unter das Dach des grössten Geldhauses des Landes, der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), flüchten. 

Experten gehen davon aus, dass die Probleme der Hengfeng Bank oder auch der Baoshang Bank nur die Spitze eines Eisberges sind. Das folgt auf jahrelang fremdfinanzierte wachstumsstützende Massnahmen der Regierung. Dabei fehlte es in dem korruptionsanfälligen Schwellenland oft an Transparenz. 

Finanzexperten in höchste Regierungsämter gehievt

Zwar beläuft sich der Anteil der in den Bilanzen der chinesischen Banken stehenden faulen Kredite auf weniger als 2% des gesamten Kreditvolumens. Doch wurden in den vergangenen Jahren nur in ganz geringem Masse Problemkredite abgeschrieben. Der wahre Anteil könnte nach Schätzungen internationaler Ratingagenturen über 20% aller ausstehenden Kredite betragen. 

Mittlerweile räumt die Zentralregierung der Finanzmarktstabilität grösste Priorität ein, unter anderem durch den Kampf gegen Korruption. Auch werden seit einiger Zeit anerkannte Finanzexperten in höchste Stellen von Provinz- und Lokalregierungen ernannt. So wurde jüngst der ehemalige stellvertretende Notenbankchef Yin Yong stellvertretender Bürgermeister der Hauptstadt Peking.

 

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