Unternehmen / Schweiz 16:23 - 17.03.2017

Too big to fail in den Kantonen

Die Kantonalbanken schütten für 2016 rund 1,4 Mrd. Fr. an die Stände aus. Reserven für die Rettung seines Instituts bildet aber nur einer.
lesen sie mehr
zum Stichwort
Beteiligung
Langfristige, kapitalmässige Interessennahme an anderen Unternehmen, bei der die wirtschaftliche Einflussnahme oder ähnliche Zielsetzungen im Vordergrund stehen. Die Beteiligungen werden höchstens zum Einstandspreis bewertet.
Bilanz
Periodische Gegenüberstellung sämtlicher Aktiven und Passiven an einem Stichtag. Die Aktivseite gibt Aufschluss über die Verwendung der Mittel, während die Passivseite über die Beschaffung der Mittel (Finanzierung) orientiert. Teil des Geschäftsberichts .
Bonität
Mass der Kreditfähigkeit und Kreditwürdigkeit eines Schuldners. Dabei bezieht sich die Kreditfähigkeit auf die Vermögens- und Ertragslage des Schuldners und die Kreditwürdigkeit auf seinen Willen, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen (vgl. Rating ).
Bundesanleihen
Wichtigstes Refinanzierungsinstrument und wichtigstes Schuldnersegment am Schweizer Anleihenmarkt. Die für die Liquiditätsbeschaffung verantwortliche Bundestresorerie refinanziert sich über Geldmarktbuchforderungen (GMBF ) sowie die Ausgabe oder die Aufstockung von Anleihen . Mit Ausnahme von August (und optionalen Terminen im April, November und Dezember) gibt sie am zweiten Dienstag jedes Monats gemäss Emissionskalender bekannt, welche Titel sie auszugeben gedenkt und ob eine Eigentranche zur späteren Plazierung am Kapitalmarkt vorgesehen ist. Investoren können bis zur Auktion am Mittwochmittag Gebote einreichen. Zugeteilt wird im Tenderverfahren , wobei sich die Tresorerie der Repoplattform der Eurex bedient. Die Federführung obliegt der SNB .
Dividende
Der von einer Aktiengesellschaft je Aktie ausgezahlte Gewinnanteil. Die Dividende wird durch die Generalversammlung auf Antrag des Verwaltungsrats festgesetzt. Als Dividende werden auch die Auszahlungen an die Inhaber von Genuss- und Partizipationsscheinen bezeichnet.
Eigenkapital
Der Teil des Gesamtkapitals, der den Aktionären gehört und ihnen im Fall einer Geschäftsaufgabe ausgezahlt wird. Aus Sicht der Aktionäre besteht die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens darin, auf dem Eigenkapital eine risikogerechte Rendite zu erwirtschaften (vgl. Eigenkapital der Banken ).
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Grossbanken
In der Schweiz UBS und Credit Suisse. Sie sind mit einem Anteil von 50% an der Bilanzsumme und 75% an der Börsenkapitalisierung aller Schweizer Bankaktien die bedeutendste Bankengruppe. Auch international gehören sie zu den grössten Banken.
Kantonalbanken
Grösstenteils öffentlich-rechtliche Institute mit eigener Rechtspersönlichkeit. Für ihre Verbindlichkeiten haftet in den meisten Fällen der Kanton (Staatsgarantie), der das Dotationskapital in der Regel gegen eine Gewinnablieferung zur Verfügung stellt. Gemäss dem Bankengesetz sind alle Kantonalbanken der Aufsicht der Finma unterstellt. Mindestens ein Drittel des Grundkapitals muss der Kanton stellen.
Liquidität
1. Fähigkeit eines Unternehmens zur fristgerechten Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen. Als Liquiditätskennzahlen gebräuchlich sind die Cash Ratio, die in Prozenten ausdrückt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel gedeckt ist, die Quick Ratio, die zeigt, wie viel des kurzfristigen Fremdkapitals durch liquide Mittel und Forderungen gedeckt ist, und die Current Ratio. Letztere setzt alle Aktiven des Umlaufvermögens ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. 2. Hohe Marktgängigkeit eines Wertpapiers, die auf der Vielzahl der im Umlauf befindlichen Titel und einer engen Geld-Brief-Spanne gründet.
Refinanzierung
Als Refinanzierung bezeichnet man die Geldbeschaffung von Kreditinstituten. Hat eine Bank Gelder an Kreditnehmer ausgezahlt, kann sie sich u. a. über die Emission festverzinslicher Wertpapiere refinanzieren und erhält somit den Spielraum, weitere Kredite zu gewähren.
Reserven
Aus dem unverteilten, im Unternehmen zurückbehaltenen Gewinn gebildete eigene Mittel. Die Reserven erfüllen einerseits eine wichtige Sicherheitsfunktion, drücken aber anderseits auf die Eigenkapitalrendite .
Risiko
In der Finanzmarkttheorie wird das Risiko einer Anlage an den Ertragsschwankungen gemessen. Risiko und Ertrag stehen theoretisch in einem direkten Zusammenhang: Je höher das eingegangene Risiko ist, desto grösser sollte längerfristig der Ertrag der entsprechenden Anlage ausfallen (vgl. Risikomanagement ).
Risikoprämie
Differenz zwischen dem risikofreien Zins und dem erwarteten Total Return einer Anlage (bei Obligationen auch als Risikoaufschlag bezeichnet). Je höher das Risiko einer Anlage ist, desto höher muss die Risikoprämie sein. Zudem werden Renditedifferenzen zwischen verschiedenen Anlagen als Risikoprämie bezeichnet.
SNB
1907 gegründete Notenbank der Schweiz. Ihr Auftrag gemäss Nationalbankgesetz NBG ist, eine dem Gesamtinteresse des Landes dienliche Geldpolitik zu betreiben und insbesondere die Preisstabilität zu bewahren. Ausserdem hat sie zur Stabilität des Finanzsystems beizutragen. Die SNB versorgt den Geldmarkt und damit das Finanzsystem über Repogeschäfte mit Liquidität, gewährleistet die Bargeldversorgung, verwaltet die Währungsreserven , vertritt die Schweiz zusammen mit dem Bund im IWF sowie in der Weltbank und fungiert als Hausbank der Eidgenossenschaft. Die SNB ist als spezialgesetzliche AG organisiert und an der SIX kotiert. Die Kantone halten die Mehrheit der Aktien , die Rechte der wenigen Privataktionäre werden auch vom NBG stark beschnitten, das z. B. die Höhe der Dividende limitiert. Organe der SNB sind der elfköpfige Bankrat als eine Art VR , das für die Geldpolitik verantwortliche ausführende dreiköpfige Direktorium als Geschäftsleitung , die GV und die Revisionsstelle .

Die Schweizer Staatsbanken bescheren ihren Besitzern einen fürstlichen Zahltag. Die 24 Kantonalbanken schütten ihren Heimatkantonen für das Geschäftsjahr 2016 rund 1,4 Mrd. Fr. aus. Das hat eine Auswertung von «Finanz und Wirtschaft» ergeben. Die kantonalen «Cash Cows» zahlen Dividenden, Zinsen, Steuern und Abgeltungen für die Staatsgarantie, die die meisten der Schweizer Gliedstaaten ihnen gewähren.

«Manche Kantonalbanken spielen eine grosse Rolle bei der Finanzierung ihres Kantons», sagt Christoph Lengwiler, Professor an der Hochschule Luzern, der zu Kantonalbanken forscht und publiziert. Im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2015 trugen die Staatsinstitute über 3,6% der kantonalen Einnahmen bei, wie aus einer Studie Lengwilers, der das Institut für Finanzdienstleistungen in Zug (IFZ) leitet, hervorgeht.

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Meistgelesene Artikel

28.04.2017 Schweiz

UBS überrascht den Markt

28.04.2017 Schweiz

Blaues Auge für Credit Suisse

lock-status
28.04.2017 Praktikus

Der Praktikus vom 29. April 2017

lock-status
28.04.2017 Markttechnik

SMI: Vorsicht vor dem Wochenende