Unternehmen / Schweiz

Top oder Flop? Schweizer Aktien im Juli

Lonza sind weiterhin die Nummer eins unter den SMI-Titeln. Novartis und Roche bleiben zurück.

Auf den ersten Blick verläuft alles in geordneten Bahnen: Im Juli erholten sich die Schweizer Indizes SMI (SMI 10519.33 -0.31%), SPI (SXGE 13039.72 -0.33%) und SMIM (SMIM 2633.3 -0.49%) weiter von der Coronakrise mit moderaten Gewinnen. Doch die Diskrepanz zwischen Gewinnern und Verlierern ist weiterhin enorm, wie eine Auswertung von «Finanz und Wirtschaft» zeigt.

Lonza (LONN 563 0.57%) setzten ihren Höhenflug fort und belegten auch im Juli den ersten Platz. Die Aktien des Pharmazulieferers sind seit Ende Juni 15% vorgerückt. Die US-Regierung will ihre Investitionen in den vom amerikanischen Lonza-Partner Moderna entwickelten Covid-19-Impfstoff auf knapp 1 Mrd. $ verdoppeln; ein Ende der Rally scheint angesichts wieder anschwellenden Coronasorgen nicht in Sicht.

Im Kontrast dazu gehörten mit Novartis und Roche zwei Pharmatitel zu den grössten Verlierern im Blue-Chip-Index SMI. Die beiden Index-Schwergewichte haben schwache Zahlen fürs zweite Quartal vorgelegt. Der Pharmamarkt hat von April bis Juni die Vorratskäufe vom ersten Quartal verdaut. Spitäler und Ärzte haben sich mit Bestellungen in den Folgemonaten zurückgehalten.

Die Coronapandemie hat zwei für Novartis (NOVN 82.3 0.04%) wichtige Geschäftsbereiche gebremst: Die Behandlung von Augen- und von Hautkrankheiten wurde oft zurückgestellt. Bei Roche (ROG 336.9 -0.07%) könnten Gewinnmitnahmen eine Rolle gespielt haben, sie hatten bis Mitte Juli einen guten Lauf. Novartis entwickelt sich schon seit einem Jahr schwächer als Roche und hat sich schlechter vom allgemeinen Einbruch im März erholt.

Im SMIM, dem Schweizer Index der mittelgrossen Valoren, hatten Straumann (STMN 928.4 -0.6%) die Nase vorn. In den vergangenen fünf Jahren war das Dentalunternehmen im Durchschnitt organisch 15% gewachsen. Die Pandemie hat den Lauf abrupt gebremst. Straumann musste reagieren und hat im Mai Sparmassnahmen beschlossen, unter anderem einen Abbau von etwa 9% des Personals. Ab 2021 erwartet das Management daraus eine Entlastung der Erfolgsrechnung um 30 Mio. Fr. Die Massnahmen haben den Aktionären neuen Mut gemacht. Im Juli notierten die Titel zwischenzeitlich wieder auf dem Stand vom Jahresanfang.

Während die Zahnärzte und ihre Patienten in die Praxis zurückkehren, hält die ausserordentliche Krise in der Luftfahrt an, und damit die Flaute für Dufry (DUFN 30.92 1.88%). Der Flughafen-Retailer wird an der Börse immer dann abgestraft, wenn sich die Perspektiven für den Reiseverkehr eintrüben. Auch in den Halbjahreszahlen vom Montag sind kaum positive Signale zu erwarten. Vielmehr ist mit einem scharfen Umsatz- und Gewinneinbruch zu rechnen.

Ein veritables Comeback erlebten die Aktien von Aryzta (ARYN 0.702 -4.88%). Der Spezialist für tiefgekühlte Backwaren steht operativ zwar unter grossem Druck, da viele seiner Kunden im Lockdown den Betrieb reduzieren mussten. Ein wichtiger Grund für den Höhenflug im Juli waren Übernahmefantasien, die der Verwaltungsrat selbst ins Spiel gebracht hatte. Zuletzt berichtete «Bloomberg», der kanadische Lebensmittel- und Bäckereikonzern George Weston zeige Interesse. Ob ein Deal zustande kommt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Aryzta-Aktien stehen im Vergleich zum Jahresanfang immer noch 45% im Minus, trotz einem Sprung von 45% diesen Monat.

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