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Tornos steht vor einer Bewährungsprobe

Analyse | Der Maschinenbauer hat sich in den letzten Jahren erfolgreich neu positioniert. Doch jetzt droht neues Ungemach.

Der Drehmaschinenhersteller Tornos (TOHN 7.05 1.44%) hat die schwierigen Jahre 2011 bis 2016 – geprägt vom harten Franken und sich ändernden Kundenpräferenzen – unter den hiesigen kotierten Werkzeugmaschinenherstellern am besten gemeistert. CEO Michael Hauser hatte dem Unternehmen eine harte Schrumpfkur, verbunden mit einer forcierten Erneuerung der Produktpalette, verschrieben.

Der Erfolg blieb nicht aus, 2018 konnte mit 8% die höchste Betriebsmarge seit dem Jahr 2007 erzielt werden. Jetzt allerdings steht Tornos vor der Bewährungsprobe dieser Neuaufstellung.

Hohe Abhängigkeit von Autoindustrie

Im ersten Halbjahr konnte zwar noch vom hohen Auftragsbestand profitiert und ein Umsatz- und Gewinnzuwachs ausgewiesen werden. Doch der Auftragseingang ist im selben Zeitraum 40% auf 77 Mio. Fr. gefallen, ein Niveau weit unter dem gegenwärtigen Umsatz.

Eine schnelle Trendwende erwartet Tornos nicht. Die Nachfrageschwäche der Automobilindustrie, die für den erstsemestrigen Rückgang verantwortlich ist, werde aller Voraussicht nach auch im zweiten Halbjahr anhalten, lässt das Unternehmen verlauten. Zwar spürt Tornos vermehrtes Interesse aus den Märkten Medizin- und Dentaltechnik, Elektronik und Uhrenindustrie, das reicht aber zur Kompensation nicht aus. 2018 gingen 43% des Umsatzes in die Automobilindustrie.

Schützen flexible Kostenstrukturen genügend?

Doch zeigt sich Tornos gerüstet für einen Abschwung. Die Flexibilität der Kostenstruktur ist viel höher als beim letzten Abschwung. Heute werden etwa 70 Temporärkräfte beschäftigt, viele Komponenten produziert man nicht mehr selbst, sondern lässt sie sich zuliefern, und der Produktionsprozess ist verschlankt und internationalisiert worden.

Umsatzrückgänge sollten demnach nicht mehr derart ausgeprägt auf die Marge drücken wie noch 2012 und 2013. Dennoch fehlt es den Tornos-Aktien derzeit an Anlageperspektiven, weil das Abschwungsausmass noch kaum abschätzbar ist. Trotz niedrigem KGV  2020 von 12, basierend auf der ­Schätzung eines Gewinnrückgangs um ein ­Viertel, sind die Aktien kein Kauf.

Die komplette Historie zu Tornos finden Sie hier. »

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