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Touchdown für Geflügelzüchter

Von Zuschauerrekorden, Werbemilliarden und Chicken Wings: Kuriose Fakten zum bevorstehenden Super-Bowl-Spektakel in New York.

Christoph Gisiger, New York

In New York steigt das Football-Fieber. Die beiden Heimteams – die Jets und die Giants – haben es diese Saison zwar nicht einmal in die Playoffs geschafft. Auch befindet sich das über 80’000 Zuschauer fassende Football-Stadion nicht in New York selbst, sondern im nachbarlichen Rutherford, New Jersey. Dennoch ist in der Millionenmetropole die Vorfreude auf das grosse Spiel am Sonntag riesig. So nimmt das bunte Treiben am Super Bowl Boulevard in Manhattan mit jedem weiteren Tag zu.

Das ganz dicke Geschäft wird jedoch nicht am Times Square, sondern in der TV-Branche gemacht. Der Super Bowl ist in den USA das Medienereignis des Jahres schlechthin. Er wird jeweils von mehr als 100 Mio. Zuschauern im ganzen Land verfolgt, wie die Grafik des Anlagespezialisten Bianco Research zeigt. Auch für dieses Wochenende wird erwartet, dass mehr als 50 Mio. US-Haushalte die Glotze andrehen, wenn das epische Duell zwischen den Broncos aus Denver und den Seahawks aus Seattle beginnt.

 

Quelle: Bianco Research

Entsprechend saftig sind die Werbeeinnahmen. Die Ausstrahlungskosten für einen TV-Spot von einer halben Minute betragen 4 Mio. $. Umgerechnet sind das 133’000 $ pro Sekunde. Seit dem ersten Super Bowl von 1967 beläuft sich die jährliche Teuerungsrate damit auf über 10%. Besonders stark stiegen die Werbekosten während des Dotcom-Booms zur Jahrtausendwende, als die Internetbranche für einen kurzen Auftritt im nationalen Fernsehen keinen Aufwand scheute. Das Jungunternehmen Computer.com zum Beispiel verheizte damals in neunzig Super-Bowl-Sekunden mehr als die Hälfte seines gesamten Geldes.

Quelle: Bianco Research

Zum TV-Spektakel der Superlative darf die richtige Verpflegung natürlich nicht fehlen. So dürften in den USA diesen Sonntag 1,25 Mrd. Chicken Wings vertilgt werden. Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in Amerika wird demnach im Schnitt knapp vier Hühnerflügel verzehren. Gemäss dem National Chicken Council sind das insgesamt 20 Mio. Stück mehr als letztes Jahr. Die Nachfrage zieht am Super-Bowl-Wochenende jeweils so stark an, dass der Preis für Hühnerfleisch regelmässig neue Rekordwerte erreicht.

Quelle: Bianco Research

Wie das Spiel diesen Sonntag verläuft, ist übrigens auch für Investoren relevant. An Wallstreet gilt der Ausgang des Super Bowl nämlich als Indikator für die Börse. Die Regel lautet: Wenn ein Team aus der NFC-Kon­ferenz den Titel holt, steigen die Kurse in diesem Jahr. Gewinnt hin­gegen eine AFC-Mannschaft, wird der Markt sinken. Historisch gese­hen hat sich der Super-Bowl-Indi­kator bislang in 80% aller Fälle be­stätigt. Demnach müssten Anleger auf einen Sieg der Seahawks hoffen.