Der Aquädukt von Segovia wurde unter Kaiser Trajan anno 98 fertiggestellt und war bis 1974 (!) in Betrieb. Im Jahr nachdem der letzte Tropfen durch dieses Meisterwerk in die zentralspanische Stadt geflossen war, starb Machthaber Francisco Franco. König Juan Carlos setzte, abermals ein Jahr darauf, Adolfo Suárez als Regierungschef ein. Ein weiteres Jahr später, 1977, fanden die ersten freien Wahlen statt seit 1936. Begonnen hatte der friedliche Übergang, die Transición, genau hier vor genau einem halben Jahrhundert. Im Gasthaus unmittelbar neben dem römischen Gemäuer trafen sich 1969 zwei junge Männer zum ersten Mal: Juan Carlos (31), damals noch Prinz von Francos Gnaden, und Suárez (37). Beim Mahl im Mesón Cándido, so heisst das Lokal, scheinen die beiden sofort Vertrauen zueinander gefasst zu haben. Der Prinz sprach unter vier Augen die Notwendigkeit an, Spanien nach Franco zu modernisieren; Suárez solle ihm die dafür wichtigsten Reformen umreissen. Dieser, so heisst es, kritzelte dann Unerhörtes auf einen Kellnerblock: Volkssouveränität, Amnestie, Grundrechte, Zulassung politischer Parteien, freie Wahlen. Nächstes Wochenende finden wieder welche statt, die vierzehnten seit dem denkwürdigen Essen. (Bild: Jose Antonio Moreno Castellano/Imagebroker/Keystone)