Meinungen

Transparenz nützt Aktionären

Die Offenlegung wirkt mässigend. Denn der Verwaltungsrat muss den Vergütungsentscheid gegenüber Aktionären vertreten und begründen. Ein Kommentar des stv. FuW-Chefredaktors Clifford Padevit.

«Transparenz hilft also den Aktionären und schützt sie davor, dass private Abmachungen den CEO oder den VR-Präsidenten übermässig bevorteilen.»

Die Vergütung an der Spitze kotierter Unternehmen ist ein heisses Eisen. Über Lohnpolitik, den Anteil und die Berechnung der variablen Komponenten und natürlich die Höhe der Löhne von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat lässt sich endlos streiten. Das wird sich auch an den Generalversammlungen wieder zeigen, wo das Thema an Bedeutung gewonnen hat, seit über die Vergütung abgestimmt werden muss. Dank den Vergütungsberichten sind Aktionäre in der Lage, sich ein Bild zu machen, wie der Lohn eines CEO zustande kommt und wie er sich verändert hat. 2014 etwa betrug der CEO-Lohn bei den rund vierzig grössten kotierten Unternehmen im Schnitt 5,4 Mio. Fr. Nicht alle haben dabei Wert für die Eigner geschaffen.

Zur Offenlegung der Managementlöhne gibt es keine Alternative. Kritiker monieren, die erhöhte Transparenz führe zu einer Aufwärtsspirale. Das mag sein, doch die Offenlegung wirkt auch mässigend. Schliesslich muss der Verwaltungsrat die Vergütungsentscheide gegenüber den Aktionären vertreten und begründen. Beispiele von erfolgreichem Widerstand von Aktionären gibt es bereits. Transparenz hilft also den Aktionären und schützt sie davor, dass private Abmachungen den CEO oder den VR-Präsidenten übermässig bevorteilen.

Bedeutet das ein Ende von Missbrauch in der Managementvergütung? Mitnichten. Gerade im Bereich der variablen Komponenten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, und je individueller die Zielvorgaben sind, desto schwieriger wird es, zwischen Unternehmen zu vergleichen. Eine Standardisierung bei diesen Bonuskomponenten ist wünschenswert, sollte aber nicht verordnet werden. Entscheidend ist für Aktionäre auch hier mehr Transparenz.

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