Die «Spectrum of the Seas» schippert via Ems durch plattes Land zur Nordsee; die Kühe kümmert’s kaum. Im März hat die auf solche Wuchtkutter spezialisierte Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg diese Giga-Gaudi-Gondel in den Dienst an den zerstreuungsbedürftigen Massen gestellt. Das fast 350 Meter lange Urlauberungetüm fasst bis 4900 Passagiere. Es wird gut gebucht sein, denn die Kreuzfahrtbranche wächst schwungvoll. 1990 transportierte sie noch rund 3,8 Mio. Touristen über die Weltmeere, dieses Jahr dürften es gegen 27 Mio. werden. In so mancher Hafenstadt – Venedig, Palma, Dubrovnik usf. – werden die Passagierpötte zunehmend der Zerstörerklasse zugerechnet: Sie laden ihre fidelen Trupps für ein paar Stunden an Land ab, dort treiben diese sich, geschultem Aug’ und Ohr nicht selten zum Verdruss, in vormals verwunschen-stillen Gassen herum, genehmigen sich da ein Eis, dort Souvenir-Tand (aus China) und heuern dann wieder auf der Party-Barkasse an. Manche Einheimische verdienen zwar daran, etlichen jedoch schlägt der Rummel aufs Gemüt. Das Traum- wird für sie zum Alptraumschiff. Von allen -ismen der Neuzeit ist der Massentourismus zwar nicht der schlimmste, doch vielleicht der lästigste. (Bild: Christophe Gateau/AFP/Getty Images)