Meinungen

Traumszenario

Schweden getraut sich, den Negativzinsen den Rücken zu kehren, die Schweiz nicht. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Der SNB scheinen die Hände gebunden»

Langsam haben wir wohl alle die Nase voll vom Negativzins. Seit fünf Jahren hält die Schweizerische Nationalbank die Zinsschaube in den Minusbereich gedreht. Das bringt einige Probleme mit sich. Sichere Anlageklassen wie Staatsanleihen werfen keine Rendite mehr ab, die Leistung unserer Altersvorsorge wird immer ungewisser, das Geschäft der Banken schwieriger, was zu Problemen in der Kreditvergabe und zu Negativzinsen für den Sparer führt. Das wiederum hat das Horten von Bargeld zur Folge.

Dennoch lautet der Konsens, dass die Leitzinsen noch lange negativ bleiben werden, und zwar mangels Alternativen. Doch muss das wirklich so sein? Zumindest in Schweden sieht man das anders. Dort dürfte die Reichsbank den Leitzins nächste Woche aus dem Negativterritorium nehmen.

Warum kann die SNB (SNBN 4835 -4.26%) das nicht auch so machen? Die beiden Volkswirtschaften sind doch durchaus vergleichbar. Dafür gibt es einen einzigen Grund, der alles überschattet. Während die Krone langfristig schwächer tendiert, ist der Franken notorisch stark. Während die Schweden ihre Währung bewusst mit den Zinserhöhungen etwas aufhübschen, wäre so ein Schritt für die Schweiz und den Franken Gift.

Der SNB scheinen die Hände gebunden. Eine deutliche Aufwertung des Frankens würde die Wirtschaft stark treffen. Also (ALSN 166 -0.84%) bleibt wohl einzig zu hoffen, dass sowohl in den USA als auch in Europa grössere Investitionsprogramme in die Wege geleitet werden, was der Wirtschaft Schwung geben und der Europäischen Zentralbank und damit auch der SNB den Mut verleihen würde, dem Negativzins den Rücken zu kehren.