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Unternehmen / Konsum

Travis Kalanick: Ein Kämpfer in eigener Sache

Carlo Portmann
Der Online-Fahrdienst Uber bricht mit gewohnten Strukturen und streitet mit Behörden. CEO Travis Kalanick kämpft, steckt ein und steht immer wieder auf.

Er ist ein Kämpfer. Jemand, der nicht aufgibt, auch wenn er schon fast am Boden liegt, und stattdessen zum Angriff übergeht. Travis Kalanick, der Uber mitgegründet hat und heute leitet: Immer wieder sucht er den Konflikt mit Behörden, Taxifahrern und Gewerkschaften. Sie werfen dem Fahrdienst Uber vor, geltendes Recht bewusst zu ignorieren und sich so einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Kalanick scheut diese Auseinandersetzungen nicht, etwa wenn er in Städten wie Brüssel und Berlin trotz Streits mit den Behörden die App weiterlaufen lässt. Oder wenn er die selbstfahrenden Autos, an denen Uber tüftelt, ohne Bewilligung auf die Strassen San Franciscos schickt. In seinen Augen gibt es Bestimmungen einzig dazu, die Taxibranche zu schützen. Als seine Mission versteht er es, diese in seinen Augen verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

Seit einigen Wochen ringt Kalanick auch politisch. Im Dezember wurde bekannt, dass er Donald Trump beraten werde. Im linksliberalen Silicon Valley protestierten viele, der Uber-Chef mache sich so zum Verräter. Als Trump dann eine rigide Einwanderungspolitik aufzugleisen begann, schlug Kalanick Widerstand entgegen. In den sozialen Medien riefen Aktivisten zum Boykott auf, verwehrten Uber-Mitarbeitern am Hauptsitz den Zugang. Kalanick lenkte ein und gab bekannt, er ziehe sich aus dem Beraterstab zurück.

Und auch wenn Kalanick einsteckt: In der nächsten Runde steht er wieder auf. Mit Anfang zwanzig bricht er das Informatikstudium ab und gründet die Filesharing-Gesellschaft Scour. Die amerikanische Musik- und Filmindustrie wirft ihr Urheberrechtsverletzungen vor und verklagt sie auf 250 Mrd. $. Scour geht daran pleite, Kalanick zieht zu seinen Eltern. Von seinem einstigen Kinderzimmer aus plant er den nächsten Schlag. Mit dem Filesharing-Dienst Red Swoosh fordert er die Unterhaltungsindustrie erneut heraus. Er hat Erfolg: Vor neun Jahren verkauft Kalanick das Start-up für 19 Mio. $.

Heute ist Kalanick einer der angesehensten Unternehmer des Silicon Valley. Die erst 2009 mit dem Kanadier Garrett Camp gegründete Uber wird jetzt mit 68 Mrd. $ bewertet. Damit ist Uber das derzeit wertvollste Start-up. In weltweit 500 Städten lässt sich statt einem Taxi ein Uber via Smartphone-App bestellen. Der vierzigjährige Kalanick sucht immer wieder die Öffentlichkeit. Dabei ist er entgegen der bei Technologie-Start-ups verbreiteten Mode überraschend elegant angezogen. Mit seinen sportlich geschnittenen Anzügen in dezenten Tönen fällt der Firmengründer mehr auf, als wenn er in bequemen Hosen und T-Shirt mit lustigem Aufdruck herumlaufen würde. Trotzdem bleibt Kalanick lässig. Aufgewachsen in Los Angeles, lebt er nun in San Francisco. Die Wörter «yeah» und «cool» gehen ihm leicht über die Lippen. Er spricht wie jemand, dem man zutraut, nach Feierabend das Surfbrett zu schultern.

Kalanick ist Kämpfer, Kalifornier – und Kapitalist. Sein Profilbild auf Twitter (TWTR 20 -0.55%) zeigt Alexander Hamilton, einen der Gründerväter der USA, ebenfalls Unternehmer. Auch Hamilton galt als ehrgeizig, als Kämpfer und Verfechter seiner Sache, selbst als niemand an ihn glaubte – so wie Travis Kalanick.