Am Abend des 26. Oktober vergangenen Jahres versteigerte Aurel Bacs, Uhrenexperte des Auktionsunternehmens Phillips, Bacs & Russo, in New York die Rolex Cosmograph Daytona (Ref. 6239). Sie stammte aus dem einstigen Besitz des amerikanischen Schauspielers, Regisseurs, Autorennfahrers und Unternehmers Paul Newman und ging für 17,8 Mio. $ an einen anonymen Telefonbieter.

Damit stellte sie einen neuen Auktionsrekord für Armbanduhren auf und brachte zugleich die Marke Rolex auf Platz eins des bisher von Patek Philippe angeführten Spitzensammleruhrenfeldes.

Der 2008 mit 83 Jahren verstorbene Paul Newman hatte diese Stahlarmbanduhr mit dem «exotischen» Zifferblatt um 1968 von seiner Frau Joanne Woodward mit der rückseitig gravierten Widmung «Drive carefully Me.» geschenkt erhalten. Sie soll damals etwa 300 $ gekostet haben.

1984 schenkte er die Uhr James Coxe, dem Freund seiner Tochter Nell, der sie nun zur Versteigerung brachte. All dies ist sowohl durch mehrere Fotografien von Paul Newman mit dieser Uhr am Handgelenk als auch durch ein Bestätigungsschreiben von Nell Newman dokumentiert.

Newman schlägt Einstein

Warum diese Uhr, die weder von ihrer Technik noch von ihrem Design her aussergewöhnlich und selten ist, nun so teuer wurde, ist nur über den Symbolwert ihres Vorbesitzers – nach dem dieser Rolex-Typ ja später auch benannt wurde – zu verstehen. Schliesslich repräsentiert Paul Newman ein bis weit in die 1968er Generation hinein prägendes amerikanisches Ideal an blauäugiger Lässigkeit, Coolness und Abenteuerlust.

Für den Sammleruhrenmarkt stellt sich die Frage, ob und wie dieser Rekord das Preisgefüge beeinflusst. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Rolex-Cosmographen Daytona vom Paul-Newman-Typ, also im Wesentlichen die Referenzen 6239, 6241, 6262, 6263, 6264 und 6265 mit dem charakteristischen «Exotic Dial», dem ähnlichen «Pandazifferblatt» und Varianten davon, künftig teurer gehandelt werden. Leider erhöht sich dadurch auch die Gefahr, dass aus einem gewöhnlichen Daytona-Cosmographen durch eine Zifferblattmanipulation ein wesentlich teureres Paul-Newman-Modell gemacht wird.

Eine Zusammenstellung bekannter Paul-Newman-Cosmographen mit ihren Eigenheiten und Preisen findet man etwa auf dem Uhrenportal chrono24.ch.

Gespannt darf man sein, welche Preise weitere Rolex-Cosmographen aus dem persönlichen Besitz von Paul Newman – es sollen mehrere sein – erzielen werden, wenn sie dereinst durch den jetzigen Rekordpreis auf den Markt gelockt werden.

Bezeichnend für die eigentümlichen Wertmassstäbe am Sammleruhrenmarkt ist jedenfalls der Umstand, dass eine Longines-Armbanduhr von 1929 aus dem Besitz von Albert Einstein an einer New Yorker Antiquorum-Auktion im Oktober 2008 für 596 000 $, also fast dreissigmal billiger, zu haben war als Paul Newmans Uhr.

«Distinguierter Gentleman»

Unbekannt bleibt ausserhalb des Auktionshauses und des Käufers vorläufig, wer die 17,8 Mio. $ für diese Paul-Newman-Reliquie bezahlt hat, von denen übrigens 2,25 Mio. $ als Käuferaufgeld an das Auktionshaus gehen.

Das heizt natürlich die Gerüchteküche an, in der neben bekannten Uhrengrosssammlern auch Museen und sogar Investorenkonsortien als mögliche Erwerber herumgereicht werden. Auffallend oft wird darunter der Name des amerikanischen Modezaren, Selfmademilliardärs und Classic-Car-Sammlers Ralph Lauren genannt, angeblich, weil «eine ihm nahestehende Person» im Auktionssaal beobachtet worden war.

In einem auf YouTube zugänglichen Interview der Uhrenspezialisten Pucci Papaleo und Paolo Gobby nennt Aurel Bacs zwar ebenfalls keinen Namen, doch er beschreibt den Käufer respektvoll als «äusserst distinguierten (utterly distinguished) Gentleman» und als würdigen Nachfolger von Paul Newman als neuer Besitzer dieser Uhr. Das spricht immerhin gegen eine Investorengruppe oder ein Museum als Käufer.

Nicht ganz so würdig wirkt demgegenüber der kaum verhohlene Ärger Aurel Bacs’ über hartnäckige Zweifler an der Echtheit und der Herkunft dieser Uhrentrophäe. Und obschon diese fünfzigjährige Rekorduhr – wie die meisten Sammleruhren von Rolex, im Unterschied etwa zu Patek-Philippe-Raritäten – nicht von einem Auszug aus dem Firmenarchiv begleitet ist, so dürfte sie doch in jeder Hinsicht verlässlicher und solider überprüfbar und abgesichert sein als etwa ein fünfhundertjähriges Altmeistergemälde.