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Trotz Abkühlung setzen Fondsmanager auf Aktien

Immer mehr Anlageprofis erwarten eine schwächere Konjunktur. Dennoch setzen sie lieber auf Aktien als auf Anleihen. Besonders begehrt sind Bankaktien.

Peter Rohner

Mit den kräftigen Kursavancen im Mai sind auch die Anlageprofis etwas risikofreudiger geworden. Gemäss der neuesten Fondsmanagerumfrage von Bank of America (BAC 31.19 0.61%) Merrill Lynch (BofA ML) haben sie gegenüber der letzten Umfrage das Aktiengewicht erhöht und die Cashquote leicht reduziert.

Per Saldo gaben 34% der befragten Fondsmanager an, dass sie Aktien im Portfolio höher gewichten als strategisch vorgesehen. Im April war dieser Anteil auf das Achtzehnmonatstief von 29% gefallen.

Die durchschnittliche Bargeldquote ist von 5 auf 4,9% gesunken, liegt aber immer noch deutlich über dem langen Mittel. Werte über 4,5% stellen laut BofA ML für Contrarian-Anleger ein Kaufsignal für Aktien dar.

Weniger Wachstum, aber keine Rezession

Über 40% der Befragten gehen davon aus, dass die Börsenhausse erst nach 2019 zu Ende geht. Weniger als 20% glauben, dass der Höhenrekord Ende Januar bereits der Wendepunkt war.

Diese Zuversicht steht im Kontrast zur Einschätzung der Konjunktur und der Gewinnentwicklung: Der Anteil jener professionellen Anleger, die in den kommenden zwölf Monaten eine Wachstumsbeschleunigung erwarten und jenen, die mit einer Verschlechterung der Konjunktur rechnen, hält sich gerade die Waage. So tief waren die Konjunkturerwartungen zuletzt 2016, als der S&P 500 (SP500 2930.75 0.78%) 50% niedriger als heute bei 1810 notierte.

Weniger Wirtschaftswachstum bedeutet auch eine schwächere Geschäftsentwicklung: Per Saldo rechnen nun nur noch 10% der Fondsmanager mit besseren Unternehmensergebnissen. Anfang 2017 betrug dieser Anteil fast 50%.

Gleichzeitig sieht eine deutliche Mehrheit einen weiteren Anstieg der Inflation über die nächsten zwölf Monate. Eine langsam wachsende Wirtschaft mit hoher Inflation nennen Ökonomen Stagflation.

Dass die Abkühlung schon bald in einer Rezession mündet, halten die Fondsmanager aber für sehr unwahrscheinlich. Nur gerade 2% der befragten Profis erwarten noch dieses Jahr eine Rezession. 8% glauben, dass es in den nächsten zwölf Monaten soweit ist. 41% sehen die nächste Rezession im Verlauf von 2019 kommen. Die meisten erwarten eine Rezession später: Rund 43% erwarten eine schrumpfende Wirtschaft erst im Jahr 2020 oder später.

Banken statt Schwellenländer

Gegenüber der Umfrage im April haben die Fondsmanager Bankaktien dazu gekauft und Schwellenländeranlagen abgestossen. In der Anlegergunst standen auch britische Aktien und die zuvor abgestraften Tech-Aktien.

Die Titel aus dem Vereinigten Königreich bleiben aber wegen der Brexit-Entscheidung weiterhin stark untergewichtet gegenüber dem historischen Durchschnitt.

Banktitel sind auch im Vergleich zur langfristigen historischen Positionierung besonders beliebt.

Untervertreten sind dagegen die Sektoren Versorger und Gesundheit.

Rohstoffe sind ebenfalls wieder hoch im Kurs. Gemäss BofA ML war die Positionierung zu Gunsten von Rohstoffen seit acht Jahren nicht mehr so ausgeprägt.

Diesem Trend hinken Energieaktien hinterher. Doch hier zeichnet sich eine Wende ab. Immer mehr Fondsmanager beginnen, die Öl- und Gasaktien im Portfolio höher zu gewichten.

Angst vor zu straffer Geldpolitik

Bonds bleiben zwar deutlich untergewichtet. Doch die Fondsmanager zeigen sich besorgt: Viele halten die Strategie, US-Staatsanleihen leer zu verkaufen, für gefährlich populär. Bei der Liste der «most crowded trades» – der überlaufendsten Handelsideen – taucht sie gleich hinter den Tech-Aktien an zweiter Stelle auf (die Abkürzung FAANG steht für die US-Unternehmen Facebook (FB 166.02 1.82%), Amazon (AMZN 1944.3 0.93%), Apple (AAPL 220.03 0.76%), Netflix (NFLX 365.36 -0.44%) und Google (GOOGL 1191.57 1.47%); BAT steht für die chinesischen Titel Baidu (BIDU 230.62 1.86%), Alibaba (BABA 165.88 2%) und Tencent (Tencent 41.99 0.38%)).

Im Mittel würden die Fondsmanager erst in Obligationen umschichten, wenn die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen über 3,6% gestiegen ist. Im April lag dieser Grenzwert noch bei 3,5%.

Am meisten Kummer bereiten den Fondsmanagern derzeit das Fed und die Europäische Zentralbank. Eine zu frühe oder zu starke Straffung ihrer Geldpolitik werten sie als grösstes Extremrisiko (biggest tail risk). Ein eskalierender Handelskrieg hat gegenüber April an Drohpotenzial verloren.

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