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Trump feuert neue Salve im Handelskrieg ab

Die USA drohen mit weiteren Zöllen gegen China im Volumen von 200 Mrd. $. Die Börsen in Asien reagieren nervös.

(Reuters/CG) US-Präsident Donald Trump erhöht im Handelsstreit mit China den Einsatz und will für weitere Produkte im Wert von 200 Mrd. $ zusätzliche Zölle erlassen. Die Regierung in Washington veröffentlichte am Dienstag eine Liste mit Waren, auf die zusätzlich 10% bei der Einfuhr in die USA gezahlt werden müssen.

Darunter sind Hunderte Nahrungsmittel sowie Tabak, Kohle, Chemikalien, Reifen, Toilettenpapier oder Unterhaltungselektronik. In der US-Wirtschaft und bei Trumps Republikanern stiess die Entscheidung auf Kritik.

Trumps Handelsbeauftragter Robert Lighthizer sagte, die Regierung habe China mehr als ein Jahr lang aufgefordert, die unfaire Handelspolitik zu beenden, den eigenen Markt zu öffnen und sich dem Wettbewerb zu stellen. Statt auf diese Sorgen einzugehen, übe China Vergeltung. «Für einen solchen Schritt gibt es keine Rechtfertigung.»

Aktion und Reaktion

Die Regierung in Washington hatte bereits in der vergangenen Woche zusätzliche Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Mrd. $ im Jahr eingeführt. Die Regierung in Peking reagierte auf diesen Schritt mit Gegenmassnahmen.

Trump hat damit gedroht, chinesische Produkte im Gesamtwert von 500 Mrd. $ mit Sonderzöllen zu belegen. Dies entspricht etwa dem Volumen der US-Importe aus China im vergangenen Jahr.

Die jetzt angekündigten Zölle gelten nicht umgehend. Regierungskreisen zufolge soll die Sanktionsliste in zwei Monaten greifen. Währenddessen gebe es die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben.

Kritik nimmt zu

Unter den aufgeführten Produkten sind auch Stahl und Aluminium, für die bereits erhöhte Abgaben gelten. Verbraucher könnten die Zölle direkt bei Waren wie Möbeln, Handtaschen, Koffern, Teppichen oder Fahrrädern zu spüren bekommen.

Auch in Trumps eigener Partei gab es Kritik an den Plänen. Sie seien «leichtsinnig» und nicht zielgerichtet, sagte der Kongressabgeordnete Orrin Hatch, der im Senat dem Finanzausschuss vorsitzt.

Auch die US-Handelskammer, die Trump noch bei der Steuersenkung unterstützte, beklagte die Entscheidung: «Zölle sind schlicht und ergreifend Steuern.» Die neuen Abgaben verteuerten Waren für Familien, Bauern, Arbeiter und Firmen.

Der Einzelhandelsverband Rila erklärte, Trump habe dessen eigenes Versprechen gebrochen, den Schaden für die Verbraucher so gering wie möglich zu halten.

Aktienkurse geraten unter Druck

Aus China gab es zunächst keine Reaktion. Die amtliche Zeitung «China Daily» schrieb in einem Kommentar, die Volksrepublik habe keine andere Wahl, als mit den gleichen Waffen zu kämpfen. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine direkte Reaktion auf die neuen Zölle.

An den globalen Finanzmärkten folgt die Antwort auf die Drohungen aus Washington hingegen prompt. Die Börsen in Schanghai, Tokio und Seoul haben am Mittwochmorgen zur Handelseröffnung klar nachgegeben. Auch Futures-Kontrakte auf den US-Leitindex S&P 500 tendieren nach einem freundlichen Wochenauftakt schwächer.

Leser-Kommentare

Willy Huber 11.07.2018 - 16:40
Handelskriege sind ein Rückschritt und produzieren letztlich nur Verlierer. Trump’s Anhänger werden das erst merken, wenn er nicht mehr im Amt ist; sein Nachfolger wird das Desaster ausbaden müssen. Das ist so etwas wie ein politisches und auch wirtschaftliches Gesetz: Der Neuling stellt (zum mindesten im Wahlkampf oder im Streit um den CEO Posten in der Wirtschaft, etc.) alles auf… Weiterlesen »