Meinungen

Trumps New Deal mit Wallstreet

Der neue amerikanische Präsident dürfte massiv in die Infrastruktur investieren und dafür den grossen Pool anlagesuchenden Kapitals anzapfen. Die USA stehen vor einem Wirtschaftsboom. Ein Kommentar von Thomas Straubhaar.

Thomas Straubhaar
«US-Infrastrukturfonds werden für alle zu einer hochattraktiven Option.»

Amerikas Wirtschaft steht vor einem Aufschwung, nicht dem Untergang. Ein «New Deal» – mitfinanziert durch privates Kapital von Wallstreet – wird im besten keynesianischen Sinn nicht nur die kurzfristige Konjunktur stimulieren, sondern auch das längerfristige Wachstum nachhaltig stärken. Der Dollar wird stärker, nicht schwächer. Die US-Zinsen steigen, und mit ihnen fallen die Kurse für Staatsanleihen. Erst in den USA, danach in Deutschland und in der Schweiz.

Volkswirtschaften, die jene Investitionsgüter, innovativen Prozesslösungen und das technologische Wissen bieten können, die für die Modernisierung der amerikanischen Infrastruktur unverzichtbar sind, werden profitieren. Das dürfte besonders für Deutschland und für die Schweiz zutreffen. Wer hingegen Konsumgüter liefert, wird durch Zölle und Importhemmnisse vom US-Markt ferngehalten.

So dürften die aufstrebenden Länder in Südostasien und Lateinamerika in doppelter Hinsicht zu den Verlierern des Trumpismus gehören. Einmal werden sie unter dem Kapitalabfluss leiden, der die Folge des starken Dollars und steigender amerikanischer Zinsen ist, und Investitionen aus den Schwellenländern nach den attraktiver werdenden USA umlenkt. Dann werden sie Textilien, Schuhe, Elektrogeräte, Freizeitartikel und viele andere standardisierte Massenprodukte nicht mehr nach den USA exportieren können.

Was spricht für dieses Szenario mit einem Boom in den USA, positiven Rückwirkungen für Deutschland und die Schweiz und negativen Folgen für weite Teile der übrigen Weltwirtschaft (die sich dann indirekt auch auf Europa ungünstig auswirken können)? Natürlich ist noch unklar, wie die tatsächliche Wirtschaftspolitik Trumps ausgestaltet werden wird. Aber eine Stossrichtung ist ganz sicher, eine andere sehr wahrscheinlich.

Höhere Ausgaben – niedrigere Steuern

Erstens hat der neugewählte Präsident noch in seiner Siegesrede in der Wahlnacht einen einzigen Punkt zu seiner wirtschaftspolitischen Strategie explizit herausgehoben: «Wir werden uns um unsere sozialen Brennpunkte kümmern und unsere Strassen, Brücken, Tunnels, Flughäfen, Schulen und Krankenhäuser wiederaufbauen. Wir werden unsere Infrastruktur, die übrigens allen überlegen sein wird, wiederaufbauen. Und wir werden bei diesem Wiederaufbau Arbeitsplätze für Millionen von Menschen schaffen.» Im Klartext: Er wird bei den Staatsausgaben klotzen, nicht kleckern.

Zweitens dürfte Donald Trump die Steuern senken. Das ist er seinen Unterstützern schuldig, vom Segen geringerer Steuerlasten ist er als Unternehmer überzeugt. Interessanterweise hat Trump dazu nach seiner Wahl bis anhin kein Wort gesagt. Aber an dieses Versprechen wird er sich gebunden fühlen. Und er wird flächendeckend in den ganzen USA Unterstützung finden.

Dass er wohl die Kapitalisten stärker als die Arbeitseinkommen entlasten wird, mag zwar auf den einen oder anderen Protest stossen, der aber nicht nachhaltig sein wird. Aus einem einfachen Grund: Höhere Staatsausgaben und niedrigere Steuerbelastungen werden zusammen zum grössten vorstellbaren Konjunkturankurbelungsprogramm, das in der Tat Arbeitsplätze schaffen, das Wirtschaftswachstum stimulieren und damit dem durchschnittlichen US-Haushalt zugutekommen wird.

Höhere Staatsausgaben und niedrigere Steuern, das kann nicht gehen! Vielleicht schon. Man muss nicht das Konzept der Laffer-Kurve aus der Mottenkiste holen, um mindestens anzuerkennen, dass sich durch die positiven Effekte auf Konjunktur und Beschäftigung ein Teil der Staatsausgaben und Steuersenkungen durch höhere Beschäftigung und stärkeres Wachstum selbst finanzieren werden.

Völlig anders als Anfang der Achtzigerjahre (als nicht nur die Inflation, sondern auch die Leitzinsen in den USA weit über 10% lagen) tritt Trump sein Amt in einer Nullprozentzinswelt mit (noch!) geringen Inflationserwartungen an. Das bedeutet: Höhere Staatsschulden lassen sich vergleichsweise billig finanzieren.

Vor allem aber kann Trump seinen New Deal in Partnerschaft mit Wallstreet finanzieren. Konkret: Er legt öffentliche Infrastrukturfonds auf, die von privaten Investoren gekauft werden können. Damit entspricht er nicht nur den Hoffnungen amerikanischer Investoren. Weltweit herrscht angesichts der niedrigen Zinsen ein Anlagenotstand. Billionen von Euro, Franken, Yen und Pfund suchen langfristige, risikoarme Anleihen mit wenigstens einigermassen positiver Rendite.

Das macht US-Infrastrukturfonds für alle zu einer hochattraktiven Option. Sie liefern den sicheren nachhaltigen Kapitalertrag, den alle anstreben. So wird Trump auf dem privaten Kapitalmarkt das Geld einsammeln können, dass er benötigt, um die Infrastruktur zu modernisieren. Das ist bitter notwendig. Verkehrswege, Stromleitungen, Wasserrohre und andere öffentliche Netzwerke sind teilweise in erbärmlichen Zustand. Trump dürfte eher Billionen als Milliarden von US-Dollar verbauen und in Glasfasern, Kupfer, Stahl und Beton investieren.

Trumps New Deal wird nicht nur ein Strohfeuer entfachen. Eine Modernisierung der Infrastruktur stimuliert über die höheren Staatsausgaben die kurzfristige Konjunktur. Neue Verkehrswege, schnelles Internet und eine zeitgemässe Versorgung mit öffentlichen Gütern wirken sich wie Investitionen jedoch auch in der langen Frist positiv auf die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus. Sie erlauben einen Innovationssprung, der ermöglicht, dass in den USA schneller als in anderen Weltregionen neue Technologien alltäglich werden. Das fördert nachhaltig das langfristige Wachstum der amerikanischen Volkswirtschaft.

Der Trumpismus wird in den USA Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Da gleichzeitig Millionen von illegalen Arbeitskräften aus Lateinamerika nach Hause geschickt werden sollen, ist es eine Frage der Zeit, bis erst die Löhne und somit für die Unternehmen die Kosten und als Folge der Überwälzung auf die Verbraucher auch die Preise steigen werden.

Spätestens dann, wohl aber eher (deutlich) früher wird das Fed die Leitzinsen weiter und stärker anheben müssen. Das hingegen wird ein Beben auf den Anleihenmärkten verursachen und Wertverluste auf langlaufenden festverzinslichen Staatspapieren mit sich ziehen. Einen Vorgeschmack dafür gab es bereits unmittelbar nach der Wahl Trumps, als zehnjährige US-Bundesanleihen an Wert verloren.

Franken wird stark bleiben

Ein starkes Amerika muss nicht zu einem schwachen Europa führen. Im Gegenteil: Gerade Deutschland und mehr oder weniger in dessen Gefolge die Schweiz können davon profitieren. Donald Trump hat zwar Strafzölle und Schutzmassnahmen für die amerikanische Wirtschaft angekündigt, doch er dürfte damit eher chinesische Konsumgüter oder Stahl und billige Produkte im Fokus haben.

Die USA stehen vor einem ökonomischen Boom. Er wird zuallererst den USA zu Gute kommen. Er wird aber auch auf Volkswirtschaften überschwappen, die jene Ideen, Innovationen und qualitativ hochstehenden Vorleistungen liefern, auf die der amerikanische Aufschwung unverzichtbar angewiesen ist.

Das sind gute Nachrichten für Deutschland und für die Schweiz. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass der Franken wohl deutlich weniger als der Euro unter Abwertungsdruck gegenüber dem Dollar kommen wird. Vielmehr wird der Franken wohl auch weiterhin stark bleiben, gerade auch gegenüber dem Euro, und vielen verunsicherten Anlegern ein sicherer Hafen bleiben.

Ökonomischer Erfolg hängt nicht davon ab, ob man jemanden sympathisch findet. Er wird durch nüchterne Reaktionen auf neue Herausforderungen bestimmt. Deshalb ist es an der Zeit, bei aller Abneigung gegenüber Donald Trump, die Chancen zu erkennen, die sich durch seine Wirtschaftspolitik ergeben.