Meinungen

Trumps Spiel mit der Geldpolitik

Der wankelmütige US-Präsident will bald entscheiden, wen er an die Spitze des Federal Reserve setzt. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Christoph Gisiger.

«Wer künftig das Sagen hat, ist nicht nur für die Zinspolitik entscheidend, sondern auch für die Bankenregulierung.»

Seit Monaten wird an Wallstreet darüber spekuliert, jetzt dauert es nur noch wenige Wochen: US-Präsident Donald Trump hat den Endspurt um den Chefposten im Federal Reserve lanciert. Sein Entscheid wird wesentlich beeinflussen, was an den globalen Finanzmärkten passiert.

Mit Blick auf Trumps erratisches Verhalten lässt sich kaum abschätzen, auf wen seine Wahl fällt. Zudem sind im Gremium der US-Notenbank ab Mitte Oktober drei weitere Sitze vakant. Wenn die Amtszeit von Fed-Chefin Janet Yellen im Februar abläuft, könnte der Vorsitz der mächtigsten Zentralbank bereits grundlegend erneuert sein.

Während Trumps Wirtschaftsagenda  kaum vorwärtskommt, kann er der Geldpolitik rasch seinen Stempel aufdrücken. Das hat zum Beispiel auch George W. Bush gemacht, der den gesamten Gouverneursrat des Fed auswechselte und mit Ben Bernanke einen neuen Notenbankchef installierte. Es war jedoch ein kontinuierlicher Prozess, der sich über Bushs achtjährige Amtszeit hinzog.

Heute steht im Federal Reserve hingegen eine abrupte Umwälzung bevor. Wer künftig das Sagen hat, ist nicht nur für die Zinspolitik entscheidend, sondern auch für die Regulierung des Bankensektors. In diesem Bereich haben die USA seit der Finanzkrise eine Vorreiterrolle gespielt.

Wie das Fed künftig zu diesen Fragen steht, kann niemand sagen. Unter den Favoriten auf den Chefposten befindet sich mit Fed-Gouverneur Jerome Powell und dem Investmentbanker Kevin Warsh zwar kein «Extremist», der für einen radikalen Wechsel der Geldpolitik plädiert. Doch wer weiss schon, wie sich Trump letztlich entscheidet. Vor diesem Hintergrund nimmt die Börse sein Spiel mit dem Fed überraschend gelassen.