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Hoffnung auf US-Steuerreform lebt

Der amerikanische Kongress hat den Grundstein zum Steuerpaket von Präsident Trump gelegt. Für die Republikaner fängt die Arbeit aber jetzt erst an.

Am amerikanischen Aktienmarkt nimmt der Übermut zu. Ein wesentlicher Grund dafür sind die neusten Nachrichten aus Washington. Hat sich seit dem Regierungswechsel in der US-Kapitale bisher wenig bis nichts bewegt, ist im Kongress jetzt der erste Schritt zur geplanten Steuerkürzung gelungen: Der Senat hat mit 51 zu 49 Stimmen den republikanischen Budgetvorschlag für das Fiskaljahr 2018 abgesegnet, womit die Grundvoraussetzung für ein Steuergesetz erfüllt ist.

Entsprechend nährt das die Hoffnung an Wallstreet, dass Präsident Trump sein Wahlkampfversprechen einhalten kann. Wie es heisst, sollen die republikanischen Mehrheitsführer Paul Ryan und Mitch McConnell die letzten Retuschen am Steuerpaket vornehmen. Bereits in Kürze könnte das Repräsentantenhaus demnach über eine Vorlage votieren. Herzstück ist eine Reduktion des Spitzensatzes für Unternehmen von 35 auf 20%.

Für Corporate America würde das einen kräftigen Gewinnschub bedeuten. Allerdings ist bereits viel davon in den Aktienkursen eingepreist: Der Dow Jones (Dow Jones 31'270.09 -0.39%) Industrial hat diese Woche den historischen Meilenstein von 23 000 passiert und ist im Zug der «Trump Rally» annähernd 27% vorgeprescht. Auf Basis der Analystenschätzungen für 2018 sind amerikanische Aktien zum stolzen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 bewertet.

Auf diesem Niveau bleibt wenig Toleranz für Enttäuschungen. Nach der Verabschiedung des Budgets ist zwar die erste Hürde zur Steuerreform genommen. Das Fiasko bei der Demontage von Obamas Gesundheitsgesetz hat aber gezeigt, wie zerstritten das republikanische Lager ist. Mit der hauchdünnen Mehrheit im Senat wird es alles andere als einfach, eine bedeutende Steuerkürzung durch den Kongress zu bringen. Zumal der Zeitdruck mit Blick auf die Zwischenwahlen im nächsten Herbst mit jedem Tag wächst.

Die Schlüsselfrage ist, wer dafür zahlen soll. In den letzten acht Jahren haben sich die Republikaner kategorisch gegen eine Ausweitung des Budgetdefizits gesperrt.  Erste Eckwerte des Steuerentwurfs sehen zudem vor, dass ausgerechnet die Mittelklasse höhere Abgaben leisten müsste, wogegen es für die oberste Einkommensklasse eine Erleichterung gäbe. Umso erstaunlicher ist, wie leichtfertig die Börsen mit dem Risiko eines Scheiterns umgehen. Selbst Schatzminister Steven Mnuchin warnt, dass ein «signifikanter Teil» der Kursgewinne verloren gehen würde, wenn das Steuergesetz versandet.