Märkte / Makro

Türkische Inflation klettert auf höchsten Stand seit 2002

Die Konsumentenpreise schnellen im Dezember auf 36% hoch, verglichen mit dem Vorjahr. Die Teuerung spiegelt die Schwäche der Lira.

(Reuters) Die ohnehin hohe Inflation in der Türkei ist überraschend stark gestiegen und liegt nun auf dem höchsten Niveau seit September 2002. Die Verbraucherpreise waren im Dezember 36% höher als vor Jahresfrist und spiegeln damit auch die Schwäche der Währung Lira wider, wie das nationale Statistikamt am Montag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 30,6% gerechnet, nach einer Teuerung von 21,3%  im Monat davor. Von November auf Dezember kletterte die Inflation um fast 13,6% und damit ebenfalls stärker als mit 9%  erwartet. Die sogenannten Erzeugerpreise – also die Preise ab Fabriktor – lagen knapp 80% über dem Vorjahresniveau. Grund dafür sind die wegen des Währungsabsturzes stark gestiegenen Importpreise.

Die türkische Lira hatte 2021 rund 44% an Wert verloren. Nach den Inflationsdaten werteten Dollar und Euro um jeweils rund 2% auf 13,646 beziehungsweise 15,423 Lira auf. «Die Leitzinsen sollten umgehend und aggressiv angehoben werden», sagte Özlem Derici Sengül, Mit-Gründerin der Beratungsfirma Spinn Consulting. «Im März wird die Inflation wahrscheinlich 40 bis 50% erreichen.»

Trotz der hohen Inflation und Währungskrise hatte die türkischen Notenbank allerdings den Leitzins Mitte Dezember erneut gesenkt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat diesen Schritt verteidigt und wiederholt Druck auf die Zentralbank ausgeübt. «Wir haben gekämpft, um die Wirtschaft aus dem Kreislauf von hohen Zinsen und hoher Inflation zu retten», sagte er kurz vor dem Jahreswechsel.