Märkte / Devisen

Türkische Notenbank handelt verzweifelt

Die türkische Notenbank ist erneut aktiv am Devisenmarkt. Sie will dem Wert der Lira Auftrieb geben.

(Reuters) Die türkische Zentralbank hat der taumelnden Landeswährung Lira zum zweiten Mal in dieser Woche unter die Arme gegriffen. Sie habe am Freitag wegen «ungesunder Preisbildung» bei den Wechselkursen Dollar verkauft, wie die Notenbank mitteilte. Der türkischen Währung gab die Intervention zunächst Auftrieb: Der Dollar fiel im Gegenzug auf 13,4906 Lira, nachdem er zuvor auf ein Rekordhoch von 13,8889 Lira gestiegen war. Solange die Zentralbank ihre Leitzinsen aber nicht anhebe, müsse mit einer fortgesetzten Abwertung der Währung gerechnet werden, warnte Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda.

Die türkische Lira hat in diesem Jahr rund 47 % an Wert verloren. Das liegt Experten zufolge auch daran, das die Zentralbank ihren Leitzins zuletzt mehrfach auf aktuell 15 % gesenkt hat — trotz einer Inflationsrate von mittlerweile mehr als 21 % im November. Dadurch wird die Lira für Anleger unattraktiver. «Zinsen sind ein Übel, das die Reichen reicher und die Armen ärmer macht», hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan in dieser Woche den umstrittenen Notenbank-Kurs verteidigt.

Die Zentralbank hat rapide an Ansehen bei Investoren verloren. Erdogan, der sich immer wieder öffentlich für niedrigere Zinsen starkmacht, hat drei Notenbankchefs binnen zweieinhalb Jahren verschlissen, was die Glaubwürdigkeit der Währungshüter erschüttert hat. In dieser Woche hat er zudem Finanzminister Lütfi Elvan nach nur rund einem Jahr Amtszeit gegen dessen bisherigen Stellvertreter Nureddin Nebati ausgetauscht. Dieser verteidigte den umstrittenen Zinskurs.