Märkte / Makro

Türkische Zentralbank verzichtet auf Zinsschritt

Die Zentralbank der Türkei hebt trotz enormer Inflation ihren Leitzins nicht an, er bleibt somit bei 14%.

 Trotz des zusätzlichen Drucks durch den Ukraine-Krieg auf die ohnehin schon stark steigenden Verbraucherpreise hebt die türkische Zentralbank ihren Leitzins nicht an. Dieser werde bei 14,0% belassen, wie sie am Donnerstag mitteilte. Die Landeswährung Lira geriet unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung erneut unter Abwertungsdruck. Sie hat allein im vergangenen Jahr mehr als 44% zum Dollar verloren, in diesem Jahr bislang weitere 10%, wodurch Importe deutlich teurer werden.

Die Inflation ist deshalb in den vergangenen Monaten in die Höhe geschnellt und markierte im Februar ein 20-Jahres-Hoch von 54,4%- auch weil die türkische Zentralbank unter dem Druck von Präsident Recep Tayyip Erdogan ihren Leitzins seit September von damals 19% auf das aktuelle Niveau gesenkt hat. Ökonomen halten dagegen Zinserhöhungen für das geeignete Gegenmittel, da dadurch beispielsweise die Lira wieder attraktiver wird. Erdogan will jedoch mit billigen Krediten die Produktion und die Exporte anschieben, was wiederum für mehr Beschäftigung sorgen soll. Die Zentralbank betonte, dass der jüngste Inflationsanstieg zum Teil «auf steigende Energiekosten infolge des verschärften regionalen Konflikts zurückzuführen» sei, wie es mit Blick auf den russischen Einmarsch in die Ukraine und die anhaltenden Kämpfe hiess.

Allein Lebensmittel kosteten im Februar rund 65% mehr als ein Jahr zuvor, Energie sogar teilweise noch mehr. Die Ökonomen von der US-Bank Goldman Sachs (GS 353.82 +0.61%) gehen davon aus, dass die Teuerungsrate im April sogar auf 60% steigen und erst im Mai/Juni mit 65% ihren Gipfel erreichen wird.

Die türkische Wirtschaft ist 2021 mit 11% so stark gewachsen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Konjunktur steht aber wegen der hohen Inflation und der negativen Folgen des Ukraine-Kriegs etwa für den Tourismus vor einem schwierigen Jahr. Ökonomen trauen der Türkei in diesem Jahr nur rund 3,5% Wachstum zu. Der Krieg in der Ukraine könnte etwa die wichtige Reisebranche spürbar dämpfen. Denn etwa ein Viertel der Touristen in der Türkei sind gewöhnlich Russen oder Ukrainer.