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Türkische Lira springt um 3% nach Notenbankankündigung

Die türkischen Notenbanker wollen sich am Dienstag zu einer Notfallsitzung treffen. In Erwartung einer massiven Erhöhung des Leitzinses gewinnen Währung und Aktien an Wert.

Am Montagmorgen schien es erst, als würde die massive Abwertung der türkischen Lira über die letzten Wochen ihre Fortsetzung finden. Die vergangene Woche war für die türkische Valuta die verlustreichste seit 2010. Am Vormittag fiel die Lira um 2,3% auf ein Rekordtief von 2.39 Lira/$, obwohl die türkische Zentralbank für heute angekündigt hatte, die Liquiditätsversorgung an Banken mit einem Zins von 9 statt 4,5% zu belegen.

Weckruf für die Notenbank

Der grosse Währungsverlust schien die Notenbank aufzuwecken. Sie hat bekanntgegeben, für Dienstag eine Notfallsitzung einzuberufen. Schon seit längerem fordern Ökonomen, dass der Leitzins erhöht werden muss, um die Abwertung und die Inflation unter Kontrolle zu bringen. Bisher ist dies am offenen Widerstand der türkischen Regierung gescheitert. Die Regierung will den Zins unter 8% belassen.

 

Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigung der Zentralbank. In Erwartung einer Leitzinserhöhung kletterte die Lira um 3% und notierte am Montagnachmittag zeitweise unter 2.31 Lira/$. Der Index der Börse Istanbul avancierte nach der Ankündigung der Notenbank um 2,5%. Türkische Aktien notieren aber immer noch 30% unter ihrem Jahreshoch vom Mai 2013. Die türkische Lira hat sich seit Anfang 2013 fast 30% abgewertet.

«Mehrere hundert Basispunkte» notwendig

In einer Studie der UBS hiess es vergangene Woche, dass der offizielle Zins von 7,75% wohl um «mehrere hundert Basispunkte» – also mehrere Prozentpunkte – steigen müsste, um die Währung zu stabilisieren. Ein Zins von 10 bis 12% sei realistisch. Es wäre eine Wiederholung von 2011: Damals wurde die Zentralbank gezwungen, den Zins von 9 auf 12,5% zu erhöhen. UBS-Analyst Reinhard Cluse zeigte sich ratlos über das lange Zögern der Türkei: «Wir rätseln, warum die Erhöhung des offiziellen Zinses so viel Widerstand in der Türkei erfährt. Für die dortigen Politiker scheinen eine schwächere Lira, höhere Anleihenrenditen und eine höhere Inflation akzeptabler zu sein.»

David Bloom, Chef-Währungsstratege von HSBC, erwartet im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» eine niedrigere Zinserhöhung: «Wir glauben, dass am Dienstag der Zins um 175 Basispunkte erhöht wird und dies die Märkte stabilisieren sollte.» Aber weitere Erhöhungen des Leitzinses seien nicht ausgeschlossen, da Anleger für das wirtschaftliche und politische Risiko der Türkei eine höhere Prämie verlangten.

Die Massnahmen sollen am Dienstag um Mitternacht (23 Uhr mitteleuropäischer Zeit) verkündet werden. Die Verlautbarung zur Nachtzeit weckt schon böse Vorahnungen. «Das riecht nach Kapitalkontrollen, nicht nach einer Zinserhöhung», meinte etwa der ehemalige UBS-Chefökonom George Magnus im Kurznachrichtendienst Twitter.