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Übertreffend

Der Versicherer XL Group fokussiert sich auf die Deckung komplexer Sach- und Haftpflichtrisiken für grosse, oft weltweit niedergelassene Unternehmen.

Thomas Hengartner

Hoch geschätzt werden Aktien von Unternehmen, die die Papiere von Wettbewerbern in der Eigenkapitalrendite und im Buchwertzuwachs übertreffen. Diese Meinung vertritt Michael McGavick, Chef des Versicherers XL Group, in den 2001 das internationale Grosskundengeschäft der damaligen Winterthur Versicherung eingebracht worden ist.

Die Unternehmensbezeichnung XL, die an eine Verkürzung des englischen Worts Excel mahnt, kann gleichermassen «übertreffend» wie auch «übermässig» andeuten. Beides trifft für den Fall des Versicherers zu. Die in New York ­kotierten Aktien XL Group (NYSE: XL, Kurs am Freitag 31.29 $, Börsenwert von 8,9 Mrd. $ bzw. 8,1 Mrd. Fr.) schlagen im laufenden Jahr den Branchenindex. Und übermässig gilt zumindest für den Grad der Exponiertheit im Markt von Kreditbesicherungsverträgen. Vor fünf Jahren war das Unternehmen wegen der Preisverwerfungen auf Kreditderivaten beinahe im Ruin gelandet.

Rekapitalisierung durch private Investoren

Die Diversifikation in dieses neue, für Assekuranzgesellschaften keineswegs traditionelle Finanzversicherungs­geschäft endete in einer Notrettung. Die Aktien stürzten von Kursen um 80 $ auf unter 3 $. Ähnlich wie der US-Branchengigant AIG und der Schweizer Vertreter Swiss Re musste XL Group rekapitalisiert werden – wie der Schweizer Versicherungskonzern jedoch mit privater, nicht staatlicher Unterstützung.

Der neu hereingeholte Chef predigte alte Tugenden. Unter Michael McGavick fokussierte sich XL Group auf das, was der 1986 von 68 US-Grossunternehmen gegründete Anbieter zuvor bestens erfüllt hatte: die Deckung komplexer Sach- und Haftpflichtrisiken für grosse, oft weltweit niedergelassene Unternehmen. Gründungsmotive waren massive Tariferhöhungen und Kapazitätskürzungen, die die Branche Mitte der Achtzigerjahre durchdrückte. Zuvor hatten Gerichtsentscheide ihre Haftung für asbestgeschädigte Personen unerwartet und massiv ausgeweitet.

2013 im Soll

In den zurückliegenden Jahren haben sich XL Group vom Branchenindex abgehoben. Für alle Versicherer war 2012 trotz massiver Schäden des Wirbelsturms «Sandy» glimpflich verlaufen. Das aktuelle Geschäftsjahr hat bisher ­erneut erhebliche Sturm- und Flutschäden verursacht, doch sie sprengen die Budgets der Branche nicht.

Die für XL Group erwartete Steigerung des Gewinns je Aktie fällt mit 3 bis 5% zwar wenig spektakulär aus. Allerdings hält sich das Unternehmen an die Maxime, die Ausschüttung moderat zu halten (Dividendenrendite 1,8%), dafür jedoch Eigenkapital und Buchwert je Aktie kontinuierlich auszudehnen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,9 deutet an, dass Potenzial besteht – allerdings wie immer im Versicherungs­sektor mit Hinweis auf jederzeit mögliche ­Katastrophenlasten.

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