Meinungen

UBS bleibt wenig Zeit für den zweiten Fintech-Wurf

Die Akquisition des US-Robo-Advisor Wealthfront ist kein Selbstläufer. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Beatrice Bösiger.

«Honoriert haben Anleger wohl eher die stärker als erwartet angehobene Ausschüttung als das Strategie-Update der Grossbank.»

Ein grosser Wurf ist es nicht geworden. Ralph Hamers passt die Strategie von UBS (UBSG 15.55 -1.58%) nur leicht an und verordnet ihr neue Finanzziele. Tiefgreifende Umwälzungen muss der CEO der grössten Schweizer Bank momentan aber auch nicht vornehmen. 2021 hat sie ein starkes Ergebnis erwirtschaftet: Die Vermögensverwaltung sammelte eifrig Neugeld ein und profitierte, genauso wie die Investmentbank, vom günstigen Marktumfeld.  

Für die Zukunft spielen der Finanzbranche unter anderem die steigenden Zinsen in die Hände. Zwar hat die Grossbank immer noch nicht sämtliche Altlasten bereinigt, wie der Steuerstreit mit Frankreich und das Verfahren um Ramschhypotheken in den USA zeigen. Anders als Rivalin Credit Suisse (CSGN 5.19 -3.39%) scheint sie ihre Risiken derzeit aber im Griff zu haben. 

Erwartungen werden geweckt

Der stabile Geschäftsverlauf weckt Erwartungen. An der Schweizer Börse gehören die UBS-Valoren seit Jahresbeginn zu den Gewinnern. Auf die Präsentation am Dienstag haben sie ebenfalls mit einem kräftigen Plus reagiert. Honoriert haben Anleger aber wohl eher die stärker als erwartet angehobene Ausschüttung als das Strategie-Update der Grossbank.

Interessiert hat in Bezug auf Letzteres vor allem die vor wenigen Tagen angekündigte Übernahme des Robo Advisor Wealthfront in den USA. Mit rund 27 Mrd. $ an verwalteten Vermögen ist der digitale Vermögensverwalter zwar eher klein. CEO Hamers hat damit aber endlich einen ersten öffentlichkeitswirksamen Pflock seiner Digitalisierungsstrategie eingeschlagen.

Die Grossbank verabschiedet sich damit von ihrer bisherigen Strategie in den USA: Nicht mehr nur die richtig Reichen, sondern vermögende Anleger mit Assets zwischen 250’000 und 2 Mio. $ will sie künftig erreichen. 

Bis sie von der 1,4-Mrd.-$-Akquisition auch tatsächlich profitieren kann, wird es aber noch dauern. Das Fintech soll auch nach Abschluss der Transaktion in der zweiten Hälfte 2022 noch länger als eigenständige Operation weiterbetrieben werden. Das angestrebte hybride Modell, bei dem den Kunden nicht nur Roboter, sondern auch physische Berater fürs Investieren zur Verfügung stehen, soll erst Schritt für Schritt entwickelt werden und als Verbindungsangebot zwischen UBS und Wealthfront funktionieren. 

Erfolg ist nicht garantiert

Die vorsichtige Herangehensweise bei der Integration und der Weiterentwicklung des digitalen Vermögensverwalters macht aus der Warte von UBS Sinn. Fintechs sind keine Selbstläufer. Die Grossbank selbst hat die Erfahrung gemacht, dass Robo Advisors auch scheitern können. Mangels Erfolg wurde die Eigenentwicklung SmarthWealth 2018 in Grossbritannien nach kurzer Zeit vom Markt genommen – womöglich mit ein Grund, dass selbst ein Finanzkonzern, der sich derart technologieaffin wie UBS gibt, beim zweiten Versuch lieber auf einen etablierten Player setzt. 

Ewig Zeit lassen kann sich die Grossbank mit Wealthfront aber nicht. Die Konkurrenz ist hoch, auch die grossen Wallstreet-Banken haben vermögende Anleger als neue Zielgruppe für sich entdeckt. Ihre Stärke hat UBS in der Vermögensverwaltung international bislang vor allem gegenüber Ultrareichen erfolgreich ausgespielt. Ob sich auch ein anderes Segment dafür interessiert, muss sich zeigen. Falls nicht, wächst womöglich doch der Wunsch nach dem grossen Wurf.