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Frankreich-Fall belastet Gewinn der UBS

Analyse | Die Grossbank erhöht die Rückstellungen für den Prozess in Paris nur leicht. Das Aktienrückkaufprogramm könnte auf der Kippe stehen.

UBS (UBSG 10.44 1.36%) hat ihre Gewinnzahlen für 2018 nach unten revidiert. In ihrem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht weist sie einen 382 Mio. $ tieferen Gewinn aus als zur Ergebnispräsentation Ende Januar. Unterm Strich resultiert nun ein Gewinn von 4,5 (vormals 4,9) Mrd. $. Das Ergebnis pro Aktie reduziert sich von 1.27 $ auf 1.18 $. Hintergrund ist der Rechtsstreit der Bank in Frankreich.

Ende Februar wurde die Bank von einem Pariser Gericht wegen Geldwäscherei und Beihilfe zur Steuerhinterziehung erstinstanzlich verurteilt. Die Schweizer Grossbank soll insgesamt eine Busse von über 4,5 Mrd. € zahlen. Im Juli 2014 hatte UBS bereits eine Kaution von 1,1 Mrd. € hinterlegen müssen.

Kämpferisches Management

Dagegen nehmen sich die nun um 382 auf 516 Mio. $ erhöhten Rückstellungen für den Frankreichfall gering aus. Das aus gutem Grund. Die Bank zieht das Urteil an die nächste Instanz weiter. Wie CEO Sergio Ermotti bereits darlegte, hält sich UBS für unschuldig, gibt sich kämpferisch und will in der nächsten Instanz eine Aufhebung des Urteils erwirken. Würde die Bank höhere Rückstellungen bilden, würde sie damit andeuten, doch mit einer saftigen Busse zu rechnen.

Die Höhe der Rückstellungen würde den besten Schätzungen der möglichen finanziellen Auswirkungen entsprechen, teilte die Bank mit. «Wir glauben jedoch nach wie vor, dass das Urteil aufgehoben werden sollte und wir die Rückstellungen dann wieder auflösen können», schreiben Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber an die Aktionäre.

Die risikogewichtete CET-1-Kapitalquote verschlechtert sich durch die Rückstellungen von 13,1% Ende 2018 auf 12,9%. Die ungewichtete Leverage Ratio, das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme, sinkt von 3,81 auf 3,77%. UBS bleibt aber auch damit eine der bestkapitalisierten Grossbanken weltweit.

Jahrelanger Instanzenweg

An der Ausschüttungspolitik, die ein Dividendenwachstum von 5 bis 10% sowie den Rückkauf von Aktien vorsieht, will UBS festhalten. Die Bank betont aber stets, dass bei ungünstigen Szenarien dem Schutz der Dividende Priorität gilt. Die Analysten der Zürcher Kantonalbank schreiben, eine Anpassung des Aktienrückkaufprogramms im laufenden Jahr würde nicht überraschen.

Aktienrückkäufe können schneller und mit weniger Imageschaden reduziert oder sistiert werden als die Dividende. «Sie können mit einer Aktualisierung unserer Pläne spätestens im April rechnen, wenn wir die Ergebnisse des ersten Quartals veröffentlichen», sagte CEO Ermotti Ende Februar in einer Telefonkonferenz. Die Zahlen zum ersten Quartal wird UBS am 25. April veröffentlichen.

Dann wird sich auch zeigen, ob die Kunden weiterhin zurückhaltend sind, obgleich sich die Aktienmärkte nach einem schlechten Börsenjahr 2018 und einem besonders schlechten vierten Quartal wieder erholt haben. Das drückte auf den Aktienkurs, der gemäss UBS nicht dem langfristigen Wert der Bank und ihrer Marktposition entspricht. Im gesamten Bankensektor kam es 2018 zu erheblichen Korrekturen. Für UBS kommt aber zusätzlich das Rechtsrisiko in Frankreich dazu. Bis der Instanzenweg dort ausgeschöpft ist, könnten bis zu sechs Jahre vergehen. Zuletzt könnte UBS den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, was nochmals bis zu drei Jahre dauern kann.

Busse in Hongkong

Die Erfolgsaussichten sind schwer einzuschätzen. Wenn ein Unternehmen von einem Staat des systematischen Rechtsbruchs bezichtigt wird, steht es «von Anfang an mit dem Rücken zur Wand», sagt Daniel Bühr, Partner der Kanzlei Lalive, der Schweizer Banken im Steuerstreit vertreten hat. Die Aussicht, nach einem klaren Unterliegen in der nächsten Instanz ein anderes Urteil zu erhalten, sei gering.

Es ist ein ungewöhnliches Vorgehen der Bank, die bisher ihre Rechtsfälle meist aussergerichtlich und mit Bussenzahlungen beigelegt hat. So teilte am Donnerstag die Börsenaufsicht von Hongkong mit, UBS zahle eine Strafe von umgerechnet 48 Mio. Fr. und darf ein Jahr lang keine Börsengänge in führender Rolle als Sponsor begleiten. Die Behörde wirft UBS vor, die Existenz der Vermögenswerte von China Forestry nicht ausreichend geprüft zu habe. Das Unternehmen wurde nur 14 Monate nach dem Listing liquidiert.

Keine Auswirkungen haben die Fälle auf das Gehalt von CEO Ermotti, das gemäss Geschäftsbericht bei 14 Mio. Fr. stabil bleibt. Die UBS-Aktie handelt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 (2019) günstiger als die europäischen Konkurrenten (Schnitt: 9,5). Die Dividendenrendite von fast 6% und die Eigenkapitalrendite von rund 10% ist attraktiv. Aufgrund des schwachen Starts 2019 und dem Rechtsrisiko Frankreich lasten aber einige Unsicherheiten auf den Titeln.

Die komplette Historie zu UBS finden Sie hier. »

Leser-Kommentare

Markus Fischer 15.03.2019 - 20:17
Die Herren Weber & Ermotti haben während ihrer Zeitpetiode als verantwortliche Führungsorgane dem Aktionär gar nichts gebracht, wie der tiefe Aktienkurs klar und deutlich aufzeigt. Äusserst frustrierend ist dabei, dass sie von Grübel & Villiger bereits eine neu organisierte, gut aufgestellte Bank übernehmen konnten, diese jedoch nicht weiter entwickeln konnten in all den Jahren, die Erträge stagnierten und trotzdem erhielten… Weiterlesen »