Märkte / Makro

UBS-Chefökonom: «Griechenland verbleibt im Euroraum»

Daniel Kalt, Chefökonom und CIO Schweiz der UBS, ist überzeugt, dass Griechenland im Euroraum bleiben wird. Er verrät im Interview mit «Finanz und Wirtschaft», was die Anleger jetzt tun sollen.

Herr Kalt, an den Börsen fallen die Kurse. Gemäss Konsens unter den Strategen wird es aber keinen Crash geben. Sind Sie einverstanden?
Wir sehen Rückschläge, denken aber, dass sie auch eine Kaufgelegenheit darstellen können, da die EZB alles unternehmen wird, um die Wellen zu glätten. Die EZB hat mehrfach betont, dass sie die Werkzeuge dazu hat und sie auch einsetzen wird. Wir bleiben mit einem Horizont von sechs Monaten in europäischen Aktien übergewichtet.

Wie geht es in Griechenland weiter, was ist der nächste Eckpunkt und was der vermutliche Ausgang?
Das Referendum am 5. Juli ist der nächste Eckpunkt. Verhandlungen werden wohl – zumindest auf technischer Ebene – im Hintergrund weiter geführt. Der Ausgang ist völlig offen. Unser Hauptszenario ist weiterhin, dass Griechenland im Euroraum verbleibt.

Kommt es zur Flucht in den Franken, und was wären unter diesen Voraussetzungen die Aussichten für die Schweizer Börse?
Der Franken dürfte unter Aufwertungsdruck bleiben. Die SNB (SNBN 5300 1.15%) hat jedoch am Montag früh bereits interveniert und dürfte, bis das Referendum durch ist, weiterhin primär Interventionen einsetzen. Erst danach wird wohl eine neue Lagebeurteilung stattfinden, und allenfalls würden weiter gehende Massnahmen beschlossen. Schweizer Aktien dürften ähnliche Rückschläge hinnehmen müssen wie ganz Europa. Kleinkapitalisierte Unternehmen (Small Caps) sind von der weiteren Frankenstärke am meisten betroffen.

Was ist Ihre Empfehlung an Anleger: Kurstaucher zum Kauf nutzen, wo und was? Auf den Verkaufsknopf drücken oder zuwarten, und wenn warten, worauf, bis wann?
Wir raten dazu, ruhig zu bleiben. Die EZB, aber auch das Fed oder die chinesische Notenbank werden unterstützend eingreifen – und haben es bereits. Die wirtschaftliche Entwicklung ist grundsätzlich recht robust. Wir sehen Rückschläge in den kommenden Tagen eher als Kaufgelegenheit und bleiben insgesamt und mit einem taktischen Anlagehorizont von sechs Monaten «Risk on».

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