Meinungen

UBS darf sich nun nicht blenden lassen

Bei der Grossbank übernimmt Colm Kelleher als VRP von Axel Weber. Der Neue muss Klarheit schaffen. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Beatrice Bösiger.

«Unter CEO Ralph Hamers scheint UBS der Fokus etwas abhanden gekommen zu sein. »

Rote Rosen regnete es für Axel Weber an seiner letzten UBS-Generalversammlung nur virtuell. Ohne Publikum, in einem etwas antiseptisch anmutenden Studiosetting präsidierte der scheidende Verwaltungsratspräsident am Mittwoch die Aktionärsversammlung der Grossbank.

Dabei sind Lorbeeren durchaus angebracht. UBS hat unter Weber eine erstaunliche Wandlung durchgemacht: Kam Rivalin Credit Suisse (CSGN 5.72 +5.15%) besser, weil ohne Nahtoderfahrung aus der Finanzkrise 2008/09, hat sich das Blatt seit damals gewendet. UBS (UBSG 16.00 +6.03%) sei heute wieder eine Ikone der Schweizer Wirtschaft und eine Bank, die respektiert wird, stellte Weber beim Rückblick auf seine Amtszeit an der GV mit Genugtuung fest. 2021 krönte er dies mit einem operativ starken Geschäftsergebnis. Rivalin CS dagegen liess zuletzt keinen Skandal aus und wird bei deren Aufarbeitung noch über Jahre hinweg in juristische Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang verwickelt ein.

Weber und der ehemalige UBS-CEO Sergio Ermotti ihrerseits haben sich nach der Finanzkrise auf die Vermögensverwaltung konzentriert und die Investmentbank zurückgebaut. Das hat die Grossbank laut ihrem scheidenden VRP davor bewahrt, zu viele Risiken einzugehen. Freilich nicht vor der Archegos-Pleite: Der Zusammenbruch des Family Office hat dazu geführt, dass UBS in den ersten beiden Quartalen 2021 einen Verlust von rund 800 Mio. $ erlitten hat. Ihr Risikomanagement sei hier an seine Grenzen gestossen, kommentierte Weber den Fall.

Diese Grenzen müssen der frisch gewählte VRP Colm Kelleher und CEO Ralph Hamers auch in Zukunft genau im Blick behalten. Die grösste Bank der Schweiz darf sich von den zuletzt positiven Geschäftszahlen und vermeintlich grösseren Skandalen der Konkurrenz nicht blenden lassen.

Der Krieg in der Ukraine hat die internationalen Finanzplätze mit ihren Akteuren und deren Gebaren erneut verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Reputationsrisiken in Bezug auf die Sanktionen gegen Russland sind für die Finanzinstitute hoch. In diesen unsicheren Zeiten täte insbesondere der neu gewählte VRP gut daran, die Grossbank mit einer klaren Strategie für die Zukunft zu positionieren.

Unter Hamers scheint ihr der Fokus allerdings etwas abhandengekommen. Lieber scheint dieser vom «Purpose», dem Zweck, der Grossbank zu reden. Von der ausgerufenen Digitalisierungsstrategie ist, abgesehen von dem Zukauf des digitalen Vermögensverwalters WealthFront in den USA, nach aussen nach wie vor wenig greifbar.

Ähnlich vage wirken die Vorteile der sogenannten agilen Arbeitsweise, die bei UBS schrittweise ausgerollt werden: Ein jüngst von Hamers auf LinkedIn geteiltes Video bietet eine Aneinanderreihung von Floskeln und hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Für seinen Klimaplan wurde der CEO gar von den Aktionären abgestraft. Nur 77% hiessen das Schriftstück, welches unter anderem ausführt, wie die Bank bis 2050 ihr Netto-Null-Ziel erreichen will, an der GV gut.

Solange die Zahlen der UBS-Führung recht geben, gibt es keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Die Grossbank hat das Rüstzeug, um auch in volatileren Zeiten zu reüssieren. Diskussionen um den Sinn und Zweck einer Bank dürfen aber nicht dazu führen, dass sie ihren wirklichen «Purpose» vergisst: die Gelder ihrer Kunden zu verwalten und Aktionärswert zu schaffen. Sonst ist der in den vergangenen zehn Jahren hart erarbeitete Respekt im Handumdrehen wieder weg.