Meinungen

UBS handelt endlich

Die Grossbank verjüngt die Führungsriege und gibt damit dem Druck von innen und aussen nach. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Die Anstellung von Iqbal Khan ist ein deutliches Zeichen dafür, dass ein frischer Wind bei UBS gefragt ist.»

Wie lange braucht es, um zu erkennen, dass man mit wöchentlichen Zielvorgaben an die Kundenberater (wie viele Calls, welche Produktvorschläge) kein Wealth Management für anspruchsvolle Kunden führen kann? Endlich, kann man sagen, handelt UBS (UBSG 11.18 -0.84%). CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber haben den Druck von innen und von aussen ziemlich steigen lassen, bis sie gehandelt haben. Der Befreiungsschlag gilt nun ebenso ihnen wie der Division Wealth Management. Beide haben die Erwartungen nicht erfüllt.

Die Verabschiedung von Martin Blessing und die Anstellung von Iqbal Khan als Co-President Global Wealth Management sind ein deutliches Zeichen dafür, dass ein frischer Wind bei UBS gefragt ist. Schade nur, dass die Bank keine Kultur zu schaffen vermochte, die eine interne Lösung für den Top-Job in der Vermögensverwaltung ermöglicht. Wo bitte sollen die besten Leute für solche Positionen herkommen, wenn nicht vom grössten Wealth-Manager der Welt?

«Das Problem ist erkannt», sagte gestern ein hochrangiger UBS-Banker. Sowohl Kunden wie Kundenberater wollen ernst genommen werden. Das klingt zwar banal. Aber vor dem Hintergrund des Steuerstreits mit den USA und mit Frankreich hat UBS ein System entwickelt, bei dem Anordnungen und Kontrolle alles andere an Wichtigkeit zu übertreffen schienen.

Die Motivationsfähigkeit, der Ehrgeiz und die Leichtfüssigkeit von Iqbal Kahn sind gefragt. Aber die Rezepte der Credit Suisse (CSGN 12.265 -1.01%) sind nur sehr bedingt auf UBS anwendbar. UBS hat mehr als doppelt so hohe verwaltete Vermögen wie Credit Suisse, sie ist aber nicht einfach Credit Suisse mal zwei.

Credit Suisse hat eine Strategie der weitgehenden Verselbständigung von Divisionen und Einheiten gewählt. UBS ist in die Richtung maximaler Integration gegangen. Hier kann man korrigierend eingreifen – aber alles zu ändern, wäre viel zu kostspielig. Im globalen Wealth Management ist UBS ein Supertanker. Das hat Vor- und Nachteile: Abrupte Richtungswechsel sind unmöglich, dafür verträgt es einiges an Wind und Wellen.

Leser-Kommentare

Willy Huber 02.09.2019 - 12:23
Wer früher UBS oder Credit Suisse, oder Swissair als erzkonservative, sichere Anlage im Depot hielt, hat inzwischen viel, viel Geld verloren (UBS von früher über 75, auf heute noch knapp 11), CS nicht viel besser, Swissair als “Schweizer Bank” ist auf Null (und die nachfolgende Swiss gehört jetzt Deuschland’s Lufthansa). Der Luganese Ermotti hat seit 2011 (UBS Eintritt) ziemlich viel… Weiterlesen »