Meinungen

UBS’ Problem

Bankchef Sergio Ermotti ändert kurz vor Schluss noch die Dividendenpolitik. Das macht die Aktie auch nicht attraktiver. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Valentin Ade.

«Es bleibt abzuwarten, ob die Aktie nun zusätzlich an Fahrt gewinnt. Das ist zu bezweifeln, denn dazu fehlt Grundsätzliches.»

Sergio Ermotti hat am Dienstag zum vorletzten Mal als UBS-Chef Quartalszahlen präsentiert. Im November übergibt er an Nachfolger Ralph Hamers. Da überrascht es, dass Ermotti auf den letzten Metern noch die Dividendenpolitik der Bank ändert. Kapital soll verstärkt in Form von Aktienrückkäufen an die Investoren fliessen, weniger über Barausschüttungen. UBS (UBSG 11.455 0.7%) hat selbst stets ihren Status als Dividendenperle mit einer Rendite gepriesen, die derzeit über 6% liegt. Diese Symbolkraft und Verbindlichkeit haben Aktienrückkäufe nicht. Laut Ermotti werde der neue Mix mehr Flexibilität punkto Ausschüttung geben und müsste nicht zuletzt auch dem Aktienkurs zugutekommen, wenn sich die Titelzahl nun rascher verringert.

Gerade der Aktienkurs dürfte Ermotti ein Dorn im Auge sein. Die Titel sind trotz des diesjährigen Erholungs­kurses immer noch nur rund halb so viel wert wie seit ihrem Post-Finanzkrisen-Hoch Mitte 2015. Als hätte ­Ermotti die bitter nötige Restrukturierung nie in Angriff genommen. Es bleibt abzuwarten, ob die Aktie nun zusätzlich an Fahrt gewinnt. Das ist zu bezweifeln, denn dazu fehlt Grundsätzliches: Die Rentabilität ist in den vergangenen Jahren unterm Strich meist unbefriedigend geblieben – auch aktuell im respektablen zweiten Quartal. Die Kostenstruktur ist bis heute nicht hinreichend an die Ertragswelt nach der Finanzkrise mit ultratiefen Zinsen und hauchdünnen Margen angepasst worden. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, ist die UBS-Aktie kaum einen Kauf wert. Aber mindestens eine ­Aufgabe kann Ermotti schliesslich auch seinem Nachfolger übrig lassen.

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