Markttechnik / R. Vogt

UBS und Nestlé

Es hängt von der Perspektive des Investors ab, wie die Dinge einzustufen sind.

Roland Vogt

Jüngst war in einer angesehenen Tageszeitung zu lesen: «Fundamental sind die Banken immer noch uninteressant, aber für steigende Kurse gibt es durchaus auch Gründe.» Das zeigt das Dilemma: Man kann die Sache mit den Gründen nachträglich immer anpassen und wird auch etwas finden. Aber gäbe es für Kauf bzw. Verkauf wirklich klare und eindeutige Gründe – würde sich dann für den geplanten Handel überhaupt eine Gegenseite finden?

Die Markttechnik analysiert Trends und deren Qualitäten. Sie leitet daraus nicht ab, ob Käufer oder Verkäufer recht haben – sondern wer die grössere Umsetzungskraft für seine Visionen besitzt.

Eine Frage der Geduld

Was Bankaktien betrifft, habe ich Mitte Juni darauf hingewiesen, dass sie voraussichtlich vor einem scharfkantigen Richtungswechsel stünden. Die damals thematisierten CS-Titel haben seither über 30% zugelegt, die zuvor etwas weniger gebeutelten UBS (UBSG 14.58 +0.21%) rund 20%. Wir befassen uns jetzt damit, wie viel noch möglich ist. Und um es vorwegzunehmen: Die Antwort ist von Ihrer Geduld abhängig.

Der mittelfristige Trend hat geleistet, was von ihm erwartet werden konnte. UBS läuft nun bei 15/16 Fr. in ein breites Widerstandsband hinein. Die Chancen, mit dem von Anfang Juli herrührenden Schwung direkt dort hindurchzukommen, gehen gegen null. UBS & Co. stehen vor einer Pause.

Anders als die Pause von Anfang August wird diese jetzt mehr als ein paar Tage dauern. Wer kurz- oder allenfalls noch mittelfristig ausgerichtet ist, hat allen Anreiz, sich nach einem neuen Pferd umzusehen. Für längerfristige Investoren bleiben die Banken ziemlich interessant – und für Fundamental-Analysten wenigstens eine Herausforderung.

Indirekt zum Ziel

Auch bei Nestlé (NESN 113.82 +0.07%) ist eine zweigleisige Betrachtung nötig. Im Juni wurde eine neue längerfristige Episode gestartet. Sie läuft immer noch, macht zurzeit aber Pause – die Pause mit ihrer dreiecksförmigen Struktur, in der sich die Kurse kurz- bis mittelfristig scheinbar ziellos hin und her bewegen.

Nach meiner Einschätzung sieht das aber nur ziellos aus, weil sonst der Aufwärtstrend nicht mehr weiterfunktionieren könnte. Wäre er glasklar ersichtlich, wie während einiger Juli-Tage, würde er umgehend antizipiert. Die Kurse wären dann direkt am Ziel und könnten gar nicht mehr weiter steigen. Deshalb müssen immer wieder Zweifel gestreut und Ungewissheiten geschaffen werden. Davon leben nicht nur Trends, sondern auch Medien und Analysten.

Eine Triangle ist eine typische Konsolidierungs-Struktur. Vielleicht wird Nestlé kurzfristig noch in ihrem Einflussgebiet verharren, aber mittelfristig ist jedenfalls mit Kursen um 82 Fr. im Nahrungsmittelwert zu rechnen.