Meinungen

UBS wagt mit Kelleher keinen Neuanfang

UBS nominiert einen krisenerprobten Wallstreet-Veteranen als Nachfolger von Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Beatrice Bösiger.

«Nur die Kontinuität zu beschwören, macht die Grossbank nicht fit für die Zukunft.»

Es ist kein wirklicher Neuanfang, den UBS (UBSG 16.57 -0.45%) mit der Nominierung des Wallstreet-Veteranen Colm Kelleher zum Präsidenten des Verwaltungsrats wagt. Einen solchen hat die grösste Schweizer Bank aktuell aber auch nicht nötig. Anders als Rivalin Credit Suisse, die zuletzt von Skandal zu Skandal gestolpert ist, spielt UBS das Momentum zurzeit in die Hand. Unter anderem dank reger Handelsaktivität von Kunden in der Vermögensverwaltung und dem Boom bei Firmenübernahmen ist ihr per Ende September das beste Quartal seit sechs Jahren gelungen. 

Wenig verwunderlich, dass die Bank angesichts des bevorstehenden Abgangs von Axel Weber, der sich nach zehn Jahren aufgrund einer Amtszeitbeschränkung nicht mehr als Präsident des Verwaltungsrats zur Wiederwahl stellt, Kontinuität und Weiterführung der unter Weber und Ex-CEO Sergio Ermotti eingeschlagenen Strategie betont.

Dem langjährigen Führungsduo ist es mit der Verkleinerung der Investmentbank und der Konzentration auf die Vermögensverwaltung gelungen, UBS nach der Finanzkrise und der nachfolgenden Rettung durch den Steuerzahler wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen. 

Das hat der Neue hat mit seinem Vorgänger gemeinsam. Kelleher, bis zu seinem Rückzug 2019 die Nummer zwei von Morgan Stanley (MS 101.25 -1.22%), gilt ebenfalls als krisenerprobter Banker. Als CFO der Wallstreet-Bank war er für die drastische Verkleinerung ihrer Bilanz und die Verhandlung einer Finanzspritze in Milliardenhöhe verantwortlich. 

Doch der Blick zurück allein macht UBS nicht fit für die Zukunft. Kelleher muss nach seiner Wahl, die an der Generalversammlung im Frühling stattfinden soll, dafür sorgen, dass in der Führungsriege der Grossbank ein Generationswechsel stattfindet. Altersmässig ist der Verwaltungsrat etwas in die Jahre gekommen, und auch in Sachen Diversity besteht Nachholbedarf. Ob der 64-jährige gebürtige Ire dies schafft, muss sich zeigen. Schliesslich ist er im selben Jahr geboren wie sein Vorgänger.  

Dazu steht die Grossbank vor der Aufgabe, sich schlanker aufzustellen. Die guten Ergebnisse der vergangenen Quartale überdecken vieles. Doch die Kosten der UBS verharren seit Jahren auf hartnäckig hohem Niveau. Um ihre Effizienz zu verbessern, braucht sie entweder starkes Wachstum, wobei sie da abhängig von den Finanzmärkten ist, oder ein neues substanzielles Programm zur Senkung der Kosten. Von angekündigten Einsparungen bis 2023 in der Höhe von rund 1 Mrd. $ ist bislang noch nicht viel sichtbar. Im Februar will CEO Ralph Hamers neue mittelfristige Finanzziele durchgeben, noch bevor Kelleher offiziell mit an Bord ist. 

Mit überfrachteten, als wenig flexibel geltenden Organisationen kennt sich der designierte Verwaltungsratspräsident der Grossbank jedoch aus. Der studierte Historiker mit Abschluss der Universität Oxford zog gemäss der Nachrichtenagentur Reuters einst als alternativen Karriereweg eine Professur in byzantinischer Geschichte in Betracht. Dieses Wissen könnte UBS in Zukunft doch zugutekommen.

Leser-Kommentare

Aloys K. Osterwalder 22.11.2021 - 09:18

Bin eher enttäuscht über den VRP-Vorschlag der UBS. Einmal mehr hat das Schweizer Establishment
die bestqualifizierte Persönlichkeit übergangen. Ein verdienter älterer Wall Street Mann kann die
UBS Position in China und Fernost wohl kaum glaubhaft verbessern. Mit Lukas Gähwiler als
Vize-VRP wird wenigstens das Schweizer Element im VR etwas verstärkt.