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Neupositionierungen befeuern Credit Suisse und Deutsche Bank. UBS muss frisches Wachstum finden, um den Vorsprung auf die Konkurrenz zu halten.

Die Finanzbranche hat turbulente zehn Jahre hinter sich – besonders UBS (UBSG 18.01 0.5%): Die Grossbank machte in der Krise eine Nahtoderfahrung und musste vom Staat gestützt werden. Nicht nur milliardenschwere Verluste brachen der Bank beinahe das Genick.

Auch wiederholtes Fehlverhalten führte zu grossem Druck internationaler Justizbehörden. UBS war fast in jeden Skandal verwickelt, zahlte Milliardenbussen und musste Kundendaten aushändigen.

Als 2011 noch Kweku Adoboli mit unautorisierten Handelspositionen 2 Mrd. Fr. versenkte, war das Mass voll: Oswald Grübel trat zurück. Sergio Ermotti trat an die Spitze der UBS.

Der neue CEO rückte das Wealth Management ins Zentrum der Strategie, dampfte das Investment Banking ein und stellte es in den Dienst der Vermögensverwaltung. Gleichzeitig verkündete er Nulltoleranz bezüglich Fehlverhalten.

Die Bank war schlicht gezwungen, ihr Geschäftsmodell vollständig zu überdenken – die Bereiche, in denen sie aktiv sein will, ebenso wie die Unternehmenskultur.

Zurück an der Spitze

Die Bank kämpft zwar heute noch mit Altlasten. Doch operativ ist sie zurück an der Spitze. UBS ist wieder der unangefochtene Leader in der globalen Vermögensverwaltung.

Ganz anders die Konkurrenz: Credit Suisse (CSGN 17.47 0.46%) und die Deutschen Bank hatten die Finanzkrise verhältnismässig gut gemeistert. Doch danach haben sie den Zeitpunkt verpasst, sich an das neue Umfeld anzupassen. Diese beiden Grossbanken stecken heute in der Krise, schreiben Verluste und durchlaufen unter neuer Führung harte Restrukturierungen.

Credit Suisse ist mit Tidjane Thiam nun auf einen ähnlichen Kurs eingeschwenkt wie UBS: Die Vermögensverwaltung steht heute auch bei ihr im Zentrum, ergänzt um ihre traditionelle Stärke im Investment Banking.

Schwieriger gestaltet sich der Anpassungsprozess bei der Deutschen Bank: Sie hat keine Tradition im Private Banking und ist gezwungen, stärker auf das Investment Banking zu bauen.

Deutsche versucht sich als Bank für Unternehmen zu positionieren und so Synergien zwischen dem Firmenkundengeschäft und der Vermögensverwaltung zu schaffen. Ausserdem ist sie im Heimmarkt über die eingekaufte Postbank auch für Kleinkunden tätig.

Unter Beweisdruck

Während Credit Suisse und Deutsche Bank (DBK 16.54 1.07%) sich neu positionieren, muss UBS beweisen, dass ihr Geschäftsmodell robust ist: Wachstum ist gefordert, und zwar unabhängig von den Marktvoraussetzungen – ein Anspruch, den sie in den letzten Quartalen nicht einzulösen vermochte.

So konstruktiv das Börsenumfeld derzeit ist, so schwierig ist es für Grossbanken jedoch, daraus Profit zu schlagen: Das tiefe Zinsumfeld befeuert die Bewertung fast aller Anlageklassen.

Für das Kreditgeschäft der Banken ist es jedoch Gift und lässt die Margen erodieren. Kommt hinzu, dass politische Risiken die Handelslust der Privatkunden lähmen, was die transaktionsabhängigen Gebühren schmelzen lässt.

Die Bruttomargen der Vermögensverwaltung sind auf rekordtiefe Werte gesunken. UBS sieht sich zwar gut positioniert, um von einer Marktbelebung zu profitieren. Doch diese ist eben nicht in Sicht.

Aktiver wirken diesbezüglich die Deutsche Bank und Credit Suisse, die beide über harte Sparprogramme zu Gewinnwachstum zurückstreben. Parallel investiert Credit Suisse: Die Lokalrivalin hat frische Mittel in den Ausbau der Kundenberater gelenkt und lockt über die Kreditvergabe kräftig Neugeld an.

Im Gegensatz zu UBS gelingt es ihr, sowohl den Ertrag zu steigern als auch gleichzeitig die Kosten zu senken – dies allerdings bei einer Eigenkapitalrendite von mickrigen 3%. UBS stagniert zwar – dies aber auf einem dreimal höheren Rentabilitätsniveau.

In der Finanzkrise brach UBS 2007/08 der Ertrag weg (rote Linie), etwas weniger litt die Vergleichsgruppe (schwarze Linie). Zwar kam das Ertragswachstum der UBS mit der Neu­aus­richtung auf die Vermögensverwaltung wieder in  Schwung.

Seit 2013 herrscht jedoch Stagnation. In der Kerndisziplin Wealth Management waren die Einnahmen über die letzten beiden Jahre wegen handelsscheuer Kunden und Margendruck gar rückläufig.

Erst dieses Jahr zeigten sich erste Zeichen einer Neu­belebung. Die in Restrukturierung befindliche Credit Suisse hat UBS punkto Wachstum in jüngster Zeit aber übertrumpft. Kein Punkt für die UBS.

Wie tief UBS in der Finanzkrise sank, zeigt der Ausschlag beim Kosten-Ertrags-Verhältnis. Seither hat sich die Grossbank zwar wieder in den profitablen Bereich unter 100% vor­gearbeitet und mit Ausnahme von 2012 ­Gewinn geschrieben.

Das Zielband des Managements von 60 bis 70% bleibt jedoch klar ausser Reichweite. Wenn die Restrukturie­rungen von Credit Suisse und Deutsche Bank greifen, droht UBS punkto Effizienz künftig hinter die Vergleichsgruppe zurückzufallen. Da das UBS-­Management weitere Sparrunden ausschliesst, ist die Bank zur Effizienzverbesserung zwingend auf  Wachstum angewiesen. Ein weiterer Punkt für die Konkurrenz.

Als weltgrösste Vermögensverwaltungsbank will UBS über eine überdurchschnittlich solide Bilanz verfügen. Im Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital ist Morgan Stanley (MS 53.1 0.87%) allerdings deutlich besser kapitalisiert, was den Schnitt der gesamten Vergleichsgruppe über den UBS-Wert hievt.

Die US-Bank führt allerdings auch grössere Risiken in der Bilanz. Gemessen an der risikogewichteten Kapitalquote zählt UBS zu den bestausgestatteten Grossbanken – gerade im Vergleich zur europäischen Konkurrenz. Credit Suisse und Deutsche Bank haben nach den Kapitalerhöhungen dieses Jahr zwar Boden gutgemacht. Der Punkt geht dennoch an UBS.

Gemessen an der Eigenkapitalrendite hat UBS in Bezug auf die Rentabilität die Nase vor der Vergleichsgruppe. Dies liegt jedoch auch daran, dass sowohl Credit Suisse als auch die Deutsche Bank wegen Restrukturierungen in den letzten beiden Jahren Verluste schrieben und negative Renditen auswiesen.

Schreiten deren  Neupositionierungen voran, wird die Vergleichgruppe entsprechend rasant aufhohlen. UBS hat nur 2015 mit fast 12% eine einigermassen befriedigende Rendite erwirtschaftet – dank Steuergutschriften. Vom bankeigenen Zielwert einer Eigenkapitalrendite von 15% ist die Grossbank zwar weit entfernt, doch immer noch besser als die Konkurrenz. Ein Punkt für UBS.

CEO Sergio Ermotti bezeichnet UBS als die höchst bewertete Investmentbank und den billigsten Vermögensverwalter. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Grossbank: Privatbanken wie Julius Bär (BAER 59 1.2%) handeln zu mehr als dem doppelten Buchwert, die Universalbanken in der Vergleichsgruppe im Schnitt unter Buchwert.

Die höhere Bewertung der UBS spiegelt den Wert ihrer führenden Vermögensverwaltung. Das Problem ist: Die UBS-Aktien geraten jeweils sofort unter Druck, wenn diese Paradedisziplin die Erwartungen auch nur leicht verfehlt – selbst, wenn die Investmentbank gleichzeitig positiv überrascht. Die Bewertung ist ausgereizt. Der Punkt geht an die Konkurrenz.

Fazit

UBS war tief gefallen. Die Schweizer Grossbank hat die Rekapitalisierung nach der Finanzkrise jedoch resoluter an die Hand genommen als die europäische Konkurrenz. Früher und ­radikaler als andere hat sie sich zudem neu ausgerichtet und erwirtschaftet heute als weltgrösste Vermögensverwaltungsbank eine überdurchschnittlich hohe Eigenkapitalrendite.

Der Markt honoriert die erreichte Strategieumsetzung mit einer hohen Bewertung. Da UBS aber weder neue Impulse aus Strategie­optimierungen noch ein neues Sparprogramm in Aussicht stellt, droht heute Stagnation.

UBS ist in dieser späten Phase der Strategieumsetzung schlicht auf Wachstum angewiesen, um weitere Effizienz- und Ergebnisverbesserungen zu erreichen, – und das lässt auf sich warten.

Momentum zeigen derzeit die Aktien der Konkurrenz: Credit Suisse und die Deutsche Bank stecken zwar in der Krise. Beide lassen aber dank Restrukturierungen auf einen Turnaround hoffen – insbesondere Credit Suisse.

Nach ­Jahren der Reformunfähigkeit hat dort Tidjane Thiam das Heft übernommen und arbeitet an Ergebnisverbesserungen, und zwar über firmeninterne Stellschrauben. Bei UBS fehlt diese Perspektive auf hausgemachte Fortschritte.

Ihr Schicksal hängt heute von Marktschwankungen ab. Für eine Bewertungsexpansion spricht damit nichts – im Gegensatz zu den tiefer bewerteten Aktien der Konkurrenz.

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Ein Kommentar zu «UBS wird vom Vorbild zur Gejagten»

  • Hubertus Kuelps, Head Communications & Branding UBS sagt: 13.10.2017 – 16:31 Uhr

    Die FuW moniert in ihrem Artikel fehlende Wachstumsphantasie und Profitabilität von UBS im Vergleich zur Konkurrenz. Diese Sichtweise können wir nicht teilen. Unser Kerngeschäft, das Vermögensverwaltungsgeschäft, hat in den vergangenen zwei Quartalen deutlich zugelegt und ist auf langfristige Gewinnentwicklung ausgerichtet. Allein im zweiten Quartal erzielten wir im globalen Wealth Management einen bereinigten Vorsteuergewinn von CHF 1,0 Milliarden, plus 15% gegenüber dem Vorjahresquartal. Sowohl Ertrag als auch verwaltete Vermögen und Netto-Neugeld sind klar gestiegen, trotz Abflüssen aufgrund der Regularisierung von Vermögenswerten sowie unserer Massnahmen zur Bilanz- und Kapitaloptimierung. Wir verzichten bewusst auf kurzfristige Gewinnmaximierung und setzen stattdessen auf die Vorteile unseres diversifizierten Geschäftsmodells, das uns erlaubt, über den Zyklus und bei unterschiedlichen Marktbedingungen profitabel und nachhaltig zu wachsen. Und nur weil wir kein weiteres Sparpaket ankündigen, heisst das nicht, dass wir nicht weiter an unserer Effizienz arbeiten würden. Das jüngste Beispiel ist die erfolgreiche Integration eines Grossteils unseres Vermögensverwaltungsgeschäfts auf eine neue globale IT-Plattform. Daraus ergeben sich neben Kosteneinsparungen auch weitere Wachstumsimpulse. Die Aktie von UBS handelt konstant und deutlich über Buchwert, das ist ein klarer Vertrauensbeweis der Investoren für unsere Strategie. Aktuell empfehlen 14 Analysten die UBS-Aktie zum Kauf und 2 Analysten haben uns auf Verkauf.
    Hubertus Kuelps, Head Communications & Branding UBS